Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Nachricht] / Brann, Marcus
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Kurze Mitteilungen. 279 Wissenschaft der Juden« gehalten hat. Die dünnen Heftchen, in denen sie zum ersten Mal erschienen sind, werden heut auf dem Büchermarkt nicht gerade häufig mehr gefunden. Der neue Herausgeber fügt ein Geleitwort hinzu, in welchem er über die Entstehung und die Bedeutung des Vereines unterrichten will. Als Erstlinge der Entjudung erscheinen ihm die Begründer des Vereins, darunter Leopold Zunz und I. M. Jost. Er entrüstet sich über die damals bereits entjudete Intelligenz, die keine Neigung und kein Verständnis mehr dafür hatte, sich auf sich selbst zu besinnen, über das schmachvolle Anwachsen des Assimilantismus und die stetige Zunahme der »Massentaufen«, und nicht minder über die temperamentvolle Art, in der Graetz mit den Gründern und Mitgliedern des Vereins ins Gericht geht. Von den unüberwindlichen Gewalten aber, an denen das vom reinsten Idealismus beseelte Unternehmen scheitern mußte, erfährt der Leser nichts. Mit keinem Worte ist von den gewaltigen, geistigen, politischen und gesellschaftlichen Strömungen die Rede, aus denen die Wiederherstellung der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Gleichstellung der Juden geboren ist, mit keinem Worte von dem heißen und 'redlichen Bemühen David Friedländers und seiner Genossen, die mittelalterlichen Sklavenketten zu zerbrechen, mit keinem Worte von dem mit elementarer Gewalt aus der jüdischen Volksseele hervorbrechenden Streben, die geistige und sittliche Ebenbürtigkeit mit der nichtjüdischen Umgebung auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens darzutun, und ebensowenig von der damit verbundenen maßlosen Unterschätzung der jüdischen und Überschätzung der profanen Bildungselemente. Erst auf diesem Hintergründe aber wird überhaupt die kurze Geschichte des neuen Vereins begreiflich und verständlich. Wie stand es denn nun in der Tat mit der sogenannten »Entjudung« in dem Geschlechte der jungen Akademiker, und Intellektuellen, die 1819 den Verein geschaffen haben? Im Mai 1818 kam Zunzens unscheinbares Büchlein: »Etwas über die rabbinische Literatur« in Berlin heraus. Ohne wesentliche Mühe läßt sich daraus das Gerüst nachweisen, welches der damals kaum 24 Jahre alte junge Gelehrte für den Ausbau der Wissenschaft des Jundentums aufgerichtet hat. Es sah nämlich etwa so aus: I. Theologie: 1. Dogmatologie (Mystik, Ethik). 2. Polemik. 2. Ritus: a) Geist und Stellung, b) Gestalt und Gehalt, c) Art des Gottesdienstes.