Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg o./Tauber 1519/20
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Vertreibung der Juden a. Rothenbnrg o/T. 275 verlauben und also des obgenanten Tags Montags nach Symonis et Jude ist den Judn allen zu Rotempurg Urlaub hinwegkzuziehen geben [am Rand vergunnt] worden und darbei inen gesatzt, das sie alle Juden junck und allt uff Lichtmeß dis zukünftig, und nicht ehr und gleich uff denselbigen Xbent unser lieben Frauen Lichtmeß sein di Juden a junck und alt hinwegk zogen. Gott machs zum Besten. Anno 1520 Jahr und uff sollichs ehr und di Juden hinwegk gezogen sindt, hat das Volk in irer Synagoge Beten und Andacht mit sampt Anschlagung ettlicher Heiligen und zuvor unser üben Frauen Pildt angeschlagen und ire Pett [Gebet] verbracht und zuvor so hat der Doctor theologiä Prediger hir das Volk ermant, dise Synagoge zu weihen und Andacht zu der Mutter Gotts, derjunckfrau raine Maria da zu czu> suchen, das dann mit grossem Zulauff geschehen ist und hat auch der Doctor etliche Mirakl und Zeichen, di da geschehen sindt, gebredigt. So hat doch ain Rat still gehalten etc. und uff Freitag nach Invocavit [2. Märzj in der ersten Fastenwochen, da hatt. ain Erbar Ratt der Juden Synagoga uffgespert mit erlauptnus deß Weihbischoffs, doch mit einer Maß inhalt seiner Schrift etc. Do ist das gemain Volk und ain gar groß Zulauf und ein Hinwallen zu diserSynagoga gewest mit großem Zulauf.* An diesen Bericht schließt sich dann ein Verzeichnis der vom 10. III. bis 17. VL angefallenen Gaben und Opfer, nach der Verrechnung der Heiligenpfleger; in einem von ihnen dürfen wir auch wohl den Verfasser des Berichts sehen. Er beschönigt freilich die Vorgänge, wenn er angibt, daß das Volk noch vor dem Wegzug der Juden seine Andacht in der Synagoge verrichtet habe — in Wirklichkeit war damit eine teilweise Zerstörung und Plünderung verbunden; auch die Rolle, die der »Prediger und Doktor« Job. Teuschlein gespielt hat, ist mit allzu zahmen Ausdrücken belegt; in den Beschwerdeschriften der Juden und den zwei gleichzeitigen Volksliedern1) tritt seine verhängnisvolle, aufreizende Tätigkeit viel schärfer hervor: immerhin ist er von städtischer Seite der erste Bericht, in dem, sozusagen offiziell, Teuschlein genannt ist. Daß es die im Februar 1519 erfolgte Vertreibung der Juden aus Regensbürg gewesen ist, die ihn zu seinem Vorgehen veranlaßte, hat J) Bei Liliencron, Hist. Volksb. III, S. 355, 317, teilweise abgedruckt; bei Kolde a. a. O. S. 14/15.