Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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822 Zunz im Verkehr mit Behörden und Hochgestellten. voller Handschrift geschrieben, in etwas blühender, wenn auch nicht geradezu unterwürfiger Sprache abgefaßt, befremdet doch einigermaßen. Man muß sich verwundert fragen; welche Absicht verfolgte Zunz damit? Der Minister schreibt: nach näheren Ermittelungen verlange Zunz nichts für sich, sondern habe nur die Aufmerksamkeit des "Königs auf die Wissenschaft des Judentums lenken wollen. Dachte Zunz wirklich nur an dies? Oder wollte er dem König Friedrich Wilhelm IV., der kurz vorher, am 7. Juni 1840, auf den Thron gelangt war, und dessen erste Regierungshandlungen man namentlich von liberaler Seite mit Aufmerksamkeit und Begeisterung betrachtete, huldigen? Ist das letztere richtig, so dürfte man daran erinnern, daß die Begeisterung des Gelehrten sich wenige Jahre später legte, ja daß er schon Jahre vor 1848 über den König in ganz anderer Weise sprach. Im ersteren Falle müßte man sagen, daß die Auswahl der übersendeten Schriften etwas sonderbar genannt werden muß, da die eingeschickten Arbeiten dem Zwecke' seines Schreibens nicht völlig entsprachen. Wollte ferner Zunz wirklich die Aufmerksamkeit des Monarchen auf die Wissenschaft des Judentums lenken, so hätte er, sollte man meinen, ihre Berechtigung, ihre Not- Wendigkeit in der Mitte der übrigen Disziplinen schärfer betonen, ausführlicher begründen müssen. Er wäre ferner verpflichtet gewesen, in der Auswahl seiner eigenen Arbeiten sorgsamer zu sein; statt der Traurede z. B. (gemeint ist die am 18. Oktober 1839 gehaltene und im Druck erschienene), hätte er seine Zeitsch rift oder mindestens die in ihr erschienene grundlegende Abhandlung über Raschi mitteilen müssen. Die Anspielung in unserem Schreiben auf den Oktober 1839 ist mir unverständlich. Was die Huldigung des Königs betrifft, auf die gleichfalls in unserem Briefe angespielt wird, so mag daran erinnert werden, daß der »Vortrag zur Huldigung S. M. des Königs Friedrich Wilhelm IV, gehalten Oktober 1840, gleichfalls im Druck erschienen ist. Auf den an den König gerichteten Brief vom Jahre 1840 erfolgte ein Schreiben des Ministers E i ch h or n vom 21. November 1840. Es lautet: