Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der Zeit vor hundert Jahren
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Zeit von vor hundert Jahren. 141 Endlich hat ein rechtmäßiger Herrscher bei allen seinen Maßnahmen nur das Wohl seines ererbten Landes und seiner Untertanen zum Ziel. So hat in musterhafter und edelster Selbst- Verleugnung unser König gehandelt. Ganz entgegengesetzt ist der stolze Eroberer verfahren. Er hat blühende Gefilde in Einöden verwandelt, seine eigenen Landsleute zu Grunde gerichtet und alles seinem Stolz, seiner Herrschsucht und seinem Privatvorteil geopfert. An seinem Schicksal sehen wir, wie nicht genug wiederholt werden kann, die wunderbare Waltung Gottes. »Sowohl die jahrelangen Leiden, als auch die nunmehrige Befreiung sind von dem allweisen Weltregierer nur zu unserer moralischen Besserung so verfügt worden« (S. 13). Er hat den Ländererstürmer zur züchtigenden Geißel für die sündige Weit erhoben und ihn dann zum Beweise seiner besonderen Vorsehung zu schänden werden lassen. Er hat ihn von neuem aus dem Schlummer geweckt und ganz Europa durch ihn aufgerüttelt und ihn abermals in sein Nichts zurückgeschleudert. Mit Recht fordert unser Text uns darum auf zu dem Bekenntnis: »Diesen Tag hat Gott gemacht«, aber auch zu dem anschließenden Gebet: »Ach, Gott, stehe uns doch weiter bei; ach, Gott, lasse es uns doch stets gelingen«. In das letzte Stoßgebet des Redners stimmen auch wir heute nach 100 Jahren aus vollem Herzen ein. Noch tobt der Weltkrieg im Osten und Westen des teuren Vaterlandes. Möge es unsern sieggekrönten feldgrauen Vätern, Brüdern und Söhnen durch die Gnade Gottes in absehbarer Frist gelingen, uns einen dauernden glorreichen Weltfrieden zu erkämpfen!