Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Nachricht] / Brann, Marcus
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Kurze Mitteilungen und Besprechungen. 95 älteste jüdische Quelle für diese Beschuldigung. Die Anknüpfung an II. M. 21,16 zeigt, daß die Kirche die Berechtigung zur Vergeltung für den Kreuzestod Jesu an den Juden aus dem Pentateuch herzuleiten suchte.« Zu diesen Ausführungen, die vielleicht durch den Hinweis auf Jesus einen guten Fingerzeig geben, möchte ich nur bemerken, daß selbst in der Legende Vater und Sohn so leicht nicht verwechselt werden. Fiele die Entstehung der Legende in das 6. Jahrhundert, so galt damals schon allgemein Joseph als der Name des präsumtiven Vaters Jesu. Und wenn in der Tat statt Joseph b. Pandera im »Prüfstein« des Schemtob Ibn Schaprut (cod. 59 der Bibi, des jüd. theolog. Sem. in Breslau, S. 180) wirklich ישו בר פנדרא steht (vgl. Krauß, »Das Leben Jesu nach jüd. Quellen« S. 146), und damit Jesus selbst statt seines Vaters als ein Sohn Panderas bezeichnet wird, so liegt hier höchstwahrscheinlich nur ein Irrtum Schemtobs vor. Eher möchte ich glauben, daß in der Entstehungszeit des Hechaloth-Buches die Identifizierung Jesu mit dem konstruierten משיח בן יוסף bereits vollzogen und dem römischen Machthaber bekannt war. Möglicher Weise ist der bei dieser Gelegenheit auf tretende Lupinus kein anderer als der verkleidete letzte abendländische Konsul Decius Theod. Pauliinus vom Jahre 534 n. Chr. Bei dem morastigen historischen Boden, auf dem wir uns befinden, käme es auf eine handvoll Jahrzehnte mehr oder weniger weiter nicht an. _ [10] Im dreißigsten Jahrgang (1915) der »Tijdschrift voor geschiedenis, landen volkenkunde«, die in Groningen erscheint, veröffentlicht Herr Esak Prins eine Abhandlung über ״een Hollandsehe interventie ten behoeve van Oostenrijksche Joden״, nämlich über Barthoid Burmanias Eintreten für die böhmischen und mährischen Juden in den Jahren 1745/6. Wir besitzen darüber bereits eine vortreffliche Einzel- Untersuchung David Kaufmanns in der Jubelschrift zu Graetzens 70. Geburtstag (Neudruck in Kaufmanns Gesammelten Schriften, Band II, S. 328 ff.). Der Verfasser hat die einschlägige Literatur aufmerksam benutzt und ist in der Lage, aus dem alten Amsterdamer »Gemeente-Archief«, welches den Briefwechsel der Burgemeester von Amsterdam mit Burmania auf bewahrt, einige neue Daten zur Beleuchtung der Vorgänge beizubringen. Er teilt mit, daß auch das Archiv der niederländisch-israelitischen Hauptsynagoge in Amsterdam eine