Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 93

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1915-01-01
Page
Seite 93 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829866-2829869-2893331--41683-2893393
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Kurze Mitteilungen und Besprechungen. 93 selbstverständlich weder um Antinoch um Philosemitismus im mindesten zu kümmern. Er gibt ein Nachschiageverzeichnis, und weiter nichts. Jedenfalls wird auch im Bereiche dieses Vierteljahrsberichtes noch manche Kleinigkeit richtig zu stellen sein. Wenn diese Mängel ausgemerzt sein werden, wird das Unternehmen in der Tat geeignet sein, der Wissenschaft insoweit gute Dienste zu leisten, als überhaupt Bücherbesprechungen eine solche Wirkung hervorzurufen in der Lage sind. [8] Zu dem interessanten Hinweis des Herrn Dr. Venetianer im Jahrg. 58 (1914) S. 113 auf Anmio bemerkt Herr Dr. Adolf Büchler in einem Briefe d. d. London, 29. März 1914, daß die Behauptung des Judenfeindes, die Juden hätten nach allen Teilen der Erde Boten ausgesendet, um das gottesdienstliche Lesen von Psalm 20 einzustellen, nicht zu genau zu nehmen ist. Soche Übertreibungen und Erfindungen gehörten zum Rüstzeug der alten Kirche in ihrem Kampfe gegen das Judentum. Schon Justin der Märtyrer im Dialogus cum Tryphone XVII behauptet ohne auch nur die leiseste Berechtigung, daß die Juden in Jerusalem nach allen Richtungen auserlesene Boten geschickt haben, um die Juden von der Entstehung des Christentums und dessen Irrtum zu verständigen. Die Kirchenväter wiederholen solche Erfindungen getreulich, und Amulo kann die Anregung zu seiner Behauptung der angeführten Anklage entlehnt haben. Abgesehen davon, scheint es Dr. Venetianer entgangen zu sein, daß R. Amram Gaon im Siddur S. 24 b Psalm 20 im Morgengottesdienste für Montag und Donnerstag einen ganzen Paragraphen widmet und R. Natronais Responsum darüber anführt:ולומר תהלה לדוד או יענך ה, ביום צרה .... ואף בקדושא דסידרא בשתי ישיבות תחלה לדוד אומר, ובבית רבעו שבבבל תהלה לדוד, אבל בשאר כנסיות יש שאומר תהלה לדוד ויש שאומר יענך יי ביום צרה. Hiernach wurde in einigen Synagogen Babyloniens statt תהלה לדוד Psalm 20 vor ובא לציון gelesen. R. Amram nahm den Brauch in seinen Siddur auf, wie eine von Marx in seinen Noten zu R. Amrams Siddur, zu S. 24 Zeile 4 angeführte Handschrift liest: קודם ובא לציון מוסיף למנצח מומור לדוד. Demnach haben die Gaonen gerade zur Zeit Amulos auf Anfragen aus Europa und wahrscheinlich Nordafrika zur Verbreitung von Psalm 20 im Morgengottesdienste beigetragen. Wie der Hinweis im Siddur von Troyes, im 11 מחכים ff., im מנהיג S. 206 § 76 zeigt, hatten die Synagogen in Frankreich den Psalm im Morgengebete. Daß

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.