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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. 91

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
[Nachricht]
Date
1915-01-01
Page
91 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Kurze Hitteilungen und Besprechungen. Das bunte Farbenspiel., in welchem Heinrich Heines Wesenheit in der Nachwelt fortlebt, hat auch die bildenden Künstler seiner Zeit unwillkürlich bei der Wiedergabe seines Porträts beeinflußt. Eine ganze Anzahl von Malern, wie z. B. Oppenheim, Scheffer, Tischbein u. a. haben die Erscheinung des Dichters gezeichnet oder gemalt, und fast jeder von ihnen betont einen andern Zug und zeigt uns des Dichters Persönlichkeit von einer andern Seite. Besonders charakteristisch, d. h. von bestimmterem Ausdruck, vielleicht sogar bestimmter, als ihn Heine jemals besaß, soll das einzige Profilbild des Dichters sein. Es wurde von Ludwig Emil Grimm, dem jüngsten Bruder von Jakob und Wilhelm, nach dem Leben gezeichnet und radiert. Der damals — es war im Jahre 1827 — bereits seiner feinen Radierkunst wegen hochgeschätzte Künstler wurde vom Dichter besucht, als dieser auf einer Reise nach München durch Kassel kam. Grimm bewog Heijne, ihm zu sitzen. Obgleich ihn allerlei Reisemühen und anhaltend schlechtes Weiter tief verstimmt hatten, was eine von ihm gefertigte Unterschrift, der Anfang eines damals entstandenen Liedes: »Verdross’nen Sinn im kalten Herzen hegend, Schau ich verdrießlich in die kalte Welt« bezeugt, wird das Bild dennoch jeden Freund des Dichters anmuten. Das ist nichi der cynische Spötter, nicht der Märtyrer in der Matratzengruft, das ist nur der Sänger des »Buchs der Lieder«, der Verfasser der »Reisebilder.« Zwar mögen die Züge stark idealisiert sein, das Haar nach des geistesverwandten Lord Byron Weise gelockt, manche Linie, besonders das Kinn, allzuweich gerundet sein, aber der zum Himmel gerichtete Blick zeigt uns den Sänger süßer Lieder, die zum Nationalschatz unserer Volkspoesie gerechnet werden. Dieses Bildnis des Dichters verewigt nichts von dem Geiste, der die Ideale jener Zeit zersetzen wollte, sondern nur das Bleibende,

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