Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Drei neue Bücher über Rahel Lewin [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
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ä92 Drei tieue Bücher über Rahel Lewin. Kampf des Vaterlandes zusammen mit den Vornehmsten der Nation in der Erinnerung zu durchleben. Wir begrüßen es an diesem Buche mit Freuden, daß Varnhägens Antworten chronologisch zwischen Rahels Briefen geordnet sind; dadurch erhalten wir ein wirkliches Zeitbild, aus dessen Rahmen Persönlichkeiten wie Rahel erst wirkungsvoll hervortreten. Auch macht Rahels sprunghafte Ausdrucksweise den Leser oft unruhig und läßt ihm allzu viel zu ergänzen übrig; durch Zusammenstellung der sich auf einander beziehenden Briefe wird uns vieles klarer, und die abgerundete, wenn auch oft mehr wortals gedankenreiche Schreibweise Varnhagens bildet die wirksamste Folie für Rahels Briefe. Jetzt inmitten der Jahrhundertfeiern :sind seine politischen Berichte, Urteile und Prophezeiungen von größtem Interesse, und seine einzig dastehende, hingebungsvolle Liebe spricht in ihrer Selbstlosigkeit und Bescheidenheit uns allen immer wieder zu Herzen. Was wäre Rahel ohne ihren »Rhapsoden«? Frau Dr. W e 1 d 1 e r-S t e ä n b e r g schöpft direkt aus der Quelle und bringt ihren Lesern manche Stelle zur Kenntnis, die Varnhagen in seinen Denkwürdigkeiten unterdrückte, wie in dem Briefe vom 20. April 1813, worin Rahel die werktätige Hilfe der Juden für die Verwundeten preist und dabei in die Worte ausbricht: »Ach, lieber, lieber Gott! G^ben doch die Kristen so wie die Juden! Dann wäre hier keine Not«. Auch einige bisher ungedruckte Stellen vervollständigen die schon bekannten Briefe, und nichts bleibt uns mehr an Rajiel, die sich selbst zu durchleuchten liebte, dunkel oder unverständlich. Die sehr fesselnd geschriebene Einleitung bezieht sich nur auf diejenigen Perioden, in denen Rahel von dem Feuer einer echten Liebe durchglüht war, und gibt uns psychologisch glaubwürdige Erklärungen dafür, daß ihre beiden ,ersten Verhältnisse sich lösen mußten, ohne zu einer Ver* einigung zu führen. Jedem ihrer Verlobten hätte sie sich