Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 56 (1912)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Siegfried Kapper als Ghettodichter
- Date
- 1912-01-01
- Page
- 513 (sequence 1)
- Language
- German
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Siegfried Kapper als Cfhettodicäter. Von Oskar Donath. Die deutsch-jüdische Belletristik verfolgt zwei ganz verschiedene Richtungen. Die eine stellt sich die Aufgabe, die geschichtlichen Erscheinungen des Judentums und der Juden in poetischer Gestaltung zu erfassen und sie in ihrem ethischen Gehalte zum Ausdruck zu bringen. Die andere befaßt sich mit der Tendenz, die Juden, wie sie vor der Berührung mit der modernen Kultur und vor ihrem Eintritt in das Kulturleben fühlten und dachten, psychologisch darzustellen und mit dem Dufte der Poesie zu umgeben1). Die erste Richtung schlugen Heinrich Heine in seinem Torso »der Rabbi von Bacharach« und nach ihm Phöbus Philippson und Berthold Auerbach ein. Philippson schildert in seiner Novelle »Die Marannen« die Geschichte der spanisehen Juden, Auerbach liefert in seinem Roman »Dichter und Kaufmann« ein Lebensgemälde aus der Zeit Moses Mendelssohns. Berthold Auerbach bedeutet aber durch seine »Schwarzwälder Dorfgeschichten« einen Übergang zur zweiten Richtung, in der Leopold Kompert die hervorragendste Stelle einnimmt. Dieser schrieb »Geschichten aus dem Ghetto«, »Böhmische Juden«, »Neue Geschichten aus dem Ghetto« u. a. Komperts Novellen spielen ebenso wie die von Salomon Kohn (»Der Retter«, »Der Kadisch vor Kol Nidre«), MichaelKlapp (»Zweierlei Juden«, »Komische Geschichten aus dem jüdi- *) Vgl. Die jüdische Literatur seit Abschluß des Kanons, hrsg. von j. Winter und A. Wünsche; Bd. III. S. 887 f. Monatsschrift, 56. Jahrgang. 33