Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1911-01-01
- Page
- Seite 364 (sequence 1)
- Language
- German
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364 Besprechungen. Br. med. 0t phll. Ketelmann: Die Ophthalmologie bei den alten Hebräern, ans den alt* und neutestamentlichen Schriften unter Berücksichtigung des Talmuds dargestellt. Hamburg und Leipzig, bei L. Voss, 1910. VI + 435, Der Verfasser, der erst im höheren Alter, nachdem er vorher als Pfarrer und dann Jahre hindurch als Gymnasiallehrer gewirkt hatte, zur Augenheilkunde überging, hat in diesem nach seinem Tode erst im Druck erschienenen Werke gewissermaßen seine Lebensarbeit konzentriert gegeben, In den 2874 Anmerkungen steckt die Summe aller der Notizen und Einfälle, die der Verfasser in nunmehr als 30 Jahren aufsammelte. Neben der hebräischen, griechischen und lateinischen Literatur wird die arabische, spanische, altfranzösische, englische reichlich zitiert. Eine wirklich fachkundige Beurteilung dieses Werkes, auch in allen seinen Zitaten auf deren richtigen Auffassung usw. könnte nur von einem gleich umfassend gebildeten Polyhistor, wieder Verfasser einer war, geliefert werden. Referent muß gestehen, daß er von seinen, im wesentlichen ophthalmologischen und nicht philologischen Standpunkt aus, einigermaßen durch dieses Buch enttäuscht wurde. Der Verfasser faßt zunächst schon das Thema »Ophthalmologie« so weit als möglich. Er handelt außer den eigentlichen Augenkrankheiten und deren Behandlung auch noch eine Menge mehr oder weniger lose hiemit zusammenhängender Dinge ab: die Kenntnisse der Anatomie des Auges und der Physiologie; die soziale Stellung des Blinden; die Art der Schrift, der Beleuchtung; die Kenntnisse der Farben, Farbenbezeichnungen, deren Vorkommen im Vergleich zu den altgriechischen Farbennamen und Belegstellen (darüber allein 49 Seiten! ) bei Gelegenheit der ansteckenden Augenleiden werden in sehr ausfiihrlicher Weise die Geschlechtskrankheiten und die hiergegen gerüsteten Verhütungsvorschriften besprochen. Dabei steht die schließliche Ausbeute an wissenschaftlicher Erkenntnis, insbesondere an neuen Tatsachen in keinem Verhältnis zu dem Umfang der aufgewandten Arbeit und der Darstellung. Das ganze macht mehr den Eindruck einer Materialiensammluug zu einem noch zu schreibenden Buche, als den eines fertigen, eigenen Werkes. Nicht unwichtige Fragen, z. B. die nach dem Vorkommen des Trachoms (der sogenannten ägyptischen Augenentzündung) werdeft mit großem gelehrten Auf-