Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 55 (1911)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Wie verhielt sich das Judentum zu Jesus und dem entstehenden Christentum?
- Date
- 1911-01-01
- Page
- 160 (sequence 1)
- Language
- German
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Wie verhielt sich das ladentum za Jesus und dem entsteheEden Ckristeatum? Von M. Freimana. (Schluß‘).) Versuchen wir, uns verständlicher zu machen. In den mittleren Dezennien dps ersten christlichen Jahrhunderts, in denen die jüdische Nation in Todeszuckungen lag, unter dem unerträglichen Druck der römischen Gewalt- Herrschaft sich windend, hatte die Sehnsucht nach dem Erscheinen des Messias die höchste Spannung erreicht. Da und dort tauchten falsche Messiasse auf, Betrüger und betrogene Betrüger: und sie alle schürten die Flamme der Empörung gegen Rom, versprachen, das Land aus den gierigen Krallen der habsüchtigen und blutgierigen Prokuratoren zu befreien und fanden zahlreichen Anhang. In Rom erkannte man nur zu bald die Gefahr, die von Seite der durch die Messiaserwartungen bis zum Wahnwitz erhitzten jüdischen Volksmassen drohte und man unterdrückte mit großer Härte jede revolutionäre Regung, bewachte mit Argusaugen jede Ansammlung. Aus Rom selbst vertrieb׳ Claudius die »von einem Christus aufgewiegelten, unaufhörlieh tumultuierenden Juden2«). Man war hier eben gut unterrichtet über den nationalen Charakter der messianischen Bewegung und wußte» daß er um so gefährlicher sei, als er aus einem religiösen Fanatismus seine Nahrung sog und ב) Vgl. Jahrg. 1910, S. 697 tf. 8) Suet. Claüd. 25: Judaeos impuisore Chresto assidue tumultuantes Roma expulit. Daß die Römer statt »Christus» (Messias) »Chrestus» hörten und aussprachen, wissen wir von Tertullian, Apol. 3.. wo dieser den Heiden zuruft: Sed cum perperam Chrestianus pronunciatur a vobis (nam nec nominis certa est notitia penes vos) de suavitate vel benignitate compositum est. Cf. Justin. Apol. I, 3.