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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1910-01-01 · Heft 6 · p. Seite 682

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
54 (1910)
Issue
Heft 6
Article
Die Juden bei Wilhelm Raabe
Date
1910-01-01
Page
Seite 682 (sequence 42)
Language
German
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IRI
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682 Die Juden bei Wilhelm Raabe. Köstlichste von der Erbschaft.« »Wenn sie es glauben wollten, Großmutter!« Inzwischen hat sich der Haufe genähert, schon ist keister Samuel und seine Familie mißhandelt, das Haus ausgeplündert; den Stadthauptmann läßt es gleichgiliig. Nun wird das Haus auch in Brand gesteckt. Das wird dem braven Studenten, der bisher stummer Zuschauer gewesen, zu viel. »Dies ist eine Bestialität. Hierosolyma perdita? Auf für Jerusalem! Nieder mit den mordbrennerischen Hallunken! Und der Monsieur Samuel ist der Einzige in ganz Höxter, der auf ein dankbar Herz bei mir rechnet. Himmel, Hölle und alle Teufel, zu Boden mit dir, du Vieh!« Das letzte Wort ist begleitet von einem Faustschlag, an einen der Mordbrenner gerichtet. Jetzt trifft auch Bruder Henricus mit seiner Mannschaft ein und wirft sich auf die Tlöxterer, um den Schutzjuden des Stiftes wenigstens das zu retten, was von ihrem Leben noch übrig ist. Zwei nackte Kinder trägt Lambert Tewes, die Siphra errettet vor weiterer Unbill Bruder Henricus. Endlich kommen die ersten Regungen der Besinnung auch in der Bevölkerung wieder zürn Vorschein; die Mordbrenner und Plünderer werden überwältigt und fliehen; das Haus des Meisters Samuel brennt ruhig und ohne weitere Gefahr nieder. Man läßt es brennen. Aber Hans Vogedes der Fährmann und zwei andere der Bösesten in Höxter wollen sich auf alle Fälle des vermeintlichen Schatzes der Kröppel-Leah bemächtigen; sie "haben sich daher rechtzeitig dem Getümmel entzogen und stürmen nun in das Zimmer der beiden hilflosen Weiber, deren Flucht durch die Schwäche der Greisin unmöglich ,gewesen ist. Fünf Minuten später, als sie die zertrümmerte Schwelle überschritten haben, durchschneidet von dem Hause der Kröppel-Leah her ein so fürchterliches und schrilles Jammergeschrei die Nacht, daß jedermann mit jähem Schrecken horcht.

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