Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 461 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829816-2888516--36367-2888605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischeti Zeitalter. 461 als Übereilungen und Fehlgriffe, שיטפי דתרביצאי, dargestellt1 * 3); andere jedoch, für die Geübteren vielleicht entbehrlich8), lassen uns den Ernst erkennen, der auch in der Tarbiza herrschte, um sich mit dem Gang der Diskussion vertraut zu machen. Wir erfahren aber auch, daß angesehene Gesetzeslehrer sich der Tarbizai annahmen, indem in einem von Samuel ha-Nagid herrührenden Responsum berichtet wird8), daß viele Gelehrten von einem Alluf R. Ada4) eine Lesart betreff einer Talmudstelle überlieferten, wobei diese als רב ואת א ד ת ר ב יצא י bezeichnet werden. Ja sogar ein Gaon selbst soll in der Tarbiza einen, allerdings nicht halachischen Vortrag gehalten haben5). Wir gewahren also auch bei dieser, der Jeschiba nur lose angegliederten, lnstitution eine Fürsorge der Gelehrten und der leitenden Personen6 *): ein Beweis für das hohe Verantwortungsgefühl, das auch den Gaon, den »Stolz Jakobs«, und seine Vertreter zu den Schülern zweiten Grades hinuntersteigen ließ. Wir haben somit einen Blick in die Hauptwerkstätte des jüdischen Geistes im Verlaufe einer an die Überlieferung früherer Jahrhunderte anknüpfenden Epoche, eines halben Jahrtausends zu werfen versucht. Wir gewahren einen tiefen Ernst des Strebens, der über alle Zweige der weitschichtigen talmudischen Literatur sich erstreckt, und der, von den höchsten Würdenträgern betätigt, auch die untergeordneten Glieder beseelt. Aus einer solchen Schule der strengen Pflichterfüllung und der Denk- und Redefreiheit konnte wahrlich kein System der Verknöcherung und der Ver- *) Vgl. Brüll a. a. O., auch Halevy, S. 227 fgg. ä) Es sind die sogenannten Zerichuthas, vgl. Brüll, S. 80 u. Anm. 132. 3) Vgl. Harkavy a. a. O. Nr. 229, S. 107, 4) Vgl. ebendort S. 362. 6) Vgl. Brüll a. a. O. S. 81—82 u. Anm. 133 betreff des Midrasch Espha. 6) Danach wären die Ausführungen von Graetz S. 123 u. Halevy a. a. O. zu modifizieren.