Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Michael Sachs
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 27)
- Language
- German
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Michael‘Sachs. 411 die Wahrhaftigkeit über alles ging, sollte nun einmal keine Macht, wie sie es nannten, erlangen. So lange ein Rabbiner mach altem Schlage, ohne Bildung, ohne europäisches Wissen da war, brauchte man keine Notiz von ihm zu nehmen; als ein anderer anspruchslos zwar, aber im Bewußtsein seiner Stellung doch etwas tun wollte, wurde ihm gezeigt, daß er nur ein Werkzeug in der Hand der Gemeindeältesten sein solle. Das hat der unbefangene Mann nicht zu seinem, sondern zum Schaden der Gemeinde erfahren müssen, und daran mußte auch die gewaltige Kraft eines Sachs brechen. So wurden seine reinsten Absichten zu nichte, so seine obgedächten Vor- Schläge zur Läuterung des Gottesdienstes beseitigt und dadurch eine Spaltung herbeigeführt, die so leicht verhütet werden konnte, während die Schismatiker aus allerlei hier nicht zu erörternden Gründen Sachs’ leidenschaftlichste Gegner wurden und schon aus Prinzip ihm abhold blieben. Jene, wie man nicht anders sagen kann, der Sache und ihrem edlen Vertreter feindselige Absicht brachte es auch zuwege, daß, als die gesetzliche Regelung des jüdischen Kultus- und Unterrichtswesens Allerhöchsten Orts angeordnet worden war, dem Kultusminister, der Männer von genauer Kenntnis der jüdisch en Zustände vernehmen wollte, zu Anfang 1845 nicht Sachs, dem es von Rechts- und Anstandswegen gebührte., sondern an seiner Statt ein Bankier und Tabakshändler in Vorschlag gebracht wurde, was umso weniger zu rechtfertigen war, als die Rechts- und Spezialverhältnisse schon eine genügende Vertretung in der Kommission gefunden hatten. Was gerade diese Vorarbeiten zu dem späteren Gesetze vom 23. Juli 1847 alles zuwege gebracht, ist hinlänglich gekannt. Als sie in ein zweites Stadium gerückt waren, sollte Sachs, der jetzt nicht füglich zu übergehen war, mit noch 11 anderen Glaubensgenossen, von denen 6 obenein der Reformgesellschaft angehörten, ein Gutuchten abgeben. Er unterzog sich dieser Arbeit, wie nicht anders zu erwarten war, mit Lust und Liebe, ohne jedoch, wie wiederum nicht anders zu erwarten war, die Grundlagen des Entwurfs erschüttern zu können. Als aber 1847 der vereinigte Landtag zusammengetreten und diesem die Beratung des Gesetzes »über die Verhältnisse der Juden & vorgelegt war, da war es Sachs, der still üHd geräuschlos, aber fest und sicher vor einzelnen einflußreichen Mitgliedern der Herren- und Ständekurie die Sache des echten, wahren Judentums vertrat und geflissentlich genährte und erzeugte Vorurteile, zerstreute und angefochtene Institutionen zur Würdigung zu bringen wußte. Wenn man heute die hier einschlagenden Verhandlungen nachliest und sich vergegenwärtigt, was alles einzelnen Abgeordneten zugetragen worden war, so wird man heute noch das