Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 52 (1908)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Beiträge zur Geschichte und Literatur im gaonäischen Zeitalter
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829811-2829815-2888364--36222-2888453- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beiträge zur Beschichte und Literatur im gaouäischei Zeitalter. Von Simon Eppenstein. Das halbe Jahrtausend nach der Sichtung des im Talmud niedergelegten Lehrstoffs durch Rabina, dem Schluß der sogennanten Horaah, bis zum letzten Abendrot des durch Hai Gaon noch glänzend vertretenen Gaonats, also von zirka 5€0—1000 ist durch die in dieser Zeit sich vollziehenden Umwälzungen und besonders durch die mannichfachen Geistesströmungen eine für die innere Entwickelung des Judentums hochbedeutsame Epoche. Fassen wir besonders Anfang und Ende dieser Zeitraumes ins Auge, so müssen wir die gewaltige Geisteskraft des Judentums anerkennen, insofern als das durch den alle Wissensgebiete umfassenden Talmud vertretene rabbinische Judentum in dem zugleich als maßgebende gesetzliche Autorität gefeierten letzten Gaon seine innige Verbindung mit vorurteilslosem wissenschaftlichem Streben zeigte. Es ist dies ein glänzender Beweis für die Lebenskraft des gerade auf der in alter wie in neuer Zeit so vielfach angefeindeten Tradition sich aufbaüenden Judentums, das weder durch den Karäismus erschüttert werden konnte, noch dessen Anregungen zu philosohpischen und philologischen Forschungen bedurfte. Hat das Judentum zwar bei letzteren sich den Einfluß der arabischen Sprachgelehrten nutzbar gemacht, so hat andererseits die theologisch-philosophische Forschung des Islam in seiner etsten Form, dem Kaläm, seiner Mutterreligion die