Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das Buch Esther in geschichtlicher Bedeutung
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Buch €sther in geschichtlicher Beleuchtung. Von Sigmund Jampel. (Schluß.) 21. Der auf dem ersten Moment allerdings absonderlich klingende Bericht (3, 10—11), daß der König dem Haman, die Ausrottung eines ganzen Stammes ohneweiteres gestattet habe, verliert viel von seiner Absonderlichkeit, wenn man einerseits den Wortlaut des Textes genau berücksichtigt und andererseits diesen Bericht im Lichte der wirklichen ethnographischen und politischen Verhältnisse des alten Persiens zu begreifen sucht. Schon unter den 10 Stämmen des ureigentlichen persischen Zendvolkes, gab es nicht weniger als 4 Nomadenstämme, welche ein durchaus wildes Beduinenleben führten und weder einem Gesetze noch irgend einer Staatsgewalt sich fügten1), und zwar in der Weise, daß selbst der persische Großkönig ihnen Tribut zahlen mußte, wenn er ihr Gebiet passieren wollte2). Die Klassiker wissen von zahlreichen erfolglosen Kriegen zu berichten, die der persische König gegen diese Stämme zu führen hatte. Und nun erst gar die ungeheure Menge der Hirten- und Reitervölker, die von den‘Griechen durch die Gesamtnamen Skythen und Saken bezeichnet wurden, und die von der turanischen Gegend an bis fast in die Mitte des heutigen europäischen Rußlands hausten, deren verheerende und verwüstende Einfälle in die medischpersischen Gebiete die zeitgenössischen Schriftsteller gar nicht grauenhaft genug schildern können! Vor ihren kriegerischen Wanderhorden, die mit ihren schnellen Rossen mordend und raubend in die Länder einbrachen, zitterte ganz Vorderasien. Diese zahllosen Raubstämme waren es, ג) Nach Niebuhr (Reisen in Arabien 110), befinden sich diese Stämme heute noch in solchen Zuständen. 2) Herod. 1, 125. Xenoph. Cyr. 1, 2, 5. Monatsschrift, 50. Jahrgang. 41