Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 633 (sequence 7)
- Language
- German
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Besprechungen. 633 sein Reichtum nicht lange blieb. Z. B. Meisel! Dworsky spricht auch davon, daß die Amtssprache der Juden in Böhmen, wie einige Überbleibsel alter schriftlicher Denkmäler bezeugen, die böhmische war. Hier bleibt Dworsky den Beweis schuldig. So weit mir bekannt ist, kann als Amtssprache der Juden Böhmens in allen Zeiten höchstens die hebräische oder die jüdischdeutsche — freilich mit vielen böhmisehen Ausdrücken durchsetzt — gelten. Schriftstücke an Regenten und Behörden sind hier nicht maßgebend, weil die Juden sich jedenfalls darin der Sprache bedienten, die dem Empfänger genehm war, also^ einen opportunistischen Standpunkt einnahmen. Man hat mit entschiedenem Mißerfolge von verschiedenen Seiten die böhmische Sprache als bei den Juden gebräuchlich nachweisen wollen; man benützte die Namen der Juden, doch finden sich darunter jederzeit mehr deutsche als böhmische. Mit ebensolchem Rechte könnte man aus dem lateinischen Dankschreiben der Juden an den Prager Erzbischof gelegentlich seines Eintretens für den Talmud auf dem Trientiner Konzil (Nr. 655) von einer lateinischen Amtssprache reden. Übrigens will ich für die gleichzeitige Anwendung der deutschen und böhmisehen Sprache frei den Juden ein geradezu klassisches Beispiel anführen. Die Zunftältesten der jüdischen Zünfte führten wie die der christlichen den Titel »Starschi«, der sich auch in Grabinschriften findet. (Starschi, böhmisch Ältester). Nun finde ich aber im hiesigen jüdischen Gemeindearchiv (lib. Att. I, an. 1723), daß der Rangälteste dieser Starschi den Titel »O b e r starschi« führte. Doch genug davon; das sind Kleinigkeiten die den Wert des geradezu monumentalen Werkes, das eine unerläßliche Vorbedingung für die Abfassung einer wissenschaftlichen Geschichte der Juden dieser Länder erfüllt, nicht beeinträchtigen können. Ich bin überzeugt, daß jeder Sachverständige, der das Buch benutzt, dem Herausgeber Gottlieb Bondy. der weder Geld noch Zeit und Arbeit gescheut hat, sein Werk möglichst vollkommen auszugestalten, herzlichen Dank wissen wird. Prag. Salomon Hugo Lieben.