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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 445

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1906-01-01
Page
Seite 445 (sequence 2)
Language
German
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Die Jaden und die deutsche Literatur. 445 sich durchaus nicht nur aus Juden rekrutieren, Stücke in jüdisch-deutschem Jargon aufführt. Dieses Theater, das sich aus schüchternen Versuchen jüdischer, aus dem Osten stammender Schauspielertruppen zu einer ständigen Berliner Eigentümlichkeit entwickelt hat, bietet gewiß einen interessanten Beitrag zur Kulturgeschichte; als die Blüte, als Gipfelpunkt der Entwicklung, die ich Ihnen vorzuführen gedenke, kann ich es indessen nicht auffassen. So viel Sinn ich für Humor zu besitzen glaube, — in diesen Exhibitionen ordinären jüdischen Witzes mit Gliederverrenkungen und frivolen Scherzen, vermag ich unmöglich wirkliche Literatur zu erblicken. Aber auch sonst ist die Fülle des Stoffes überraschend groß. Das Jahr 1903 brachte vier Werke, die weil symptomatisch, in dieser Einleitung berührt werden müssen. Als ich die letzten Vorbereitungen zu dieser Einleitungsvorlesung machte, erschien in Reklams Universalbibllothek eine Übersetzung von Heijermanns »Ghetto« und unter den Schriften, die im Jahre 1903 das Licht erblickt hatten, befand sich eine Darstellung des Judentums in der deutschen Kulturgeschichte, die Behandlung des Judentums in einem deutschen Drama und ein Versuch die Linien unseres Themas, angeblich in wissenschaftlicher Weise zu ziehen. 1. Heijermanns Ghetto kann als Werk eines Holländers nur kurz angedeutet werden. Es behandelt den Kampf des jungen Geschlechts gegen das alte, einen Kampf, in dem unsere Sympathie naturgemäß auf Seite der Jungen ist. Raphael, zum Trödler erzogen, hat den Zug nach höheren Dingen, verachtet den Vater, einen Schacherer, nachdem er gesehen, wie der Alte sich durch Betrug bereichert, verliebt sich in ein Christemmädchen, Rose, und erklärt seinem Vater, daß er das Haus verlassen werde. Das. Mädchen, dem man einredet, daß er eine andere Partie eingehen werde, läuft ins Wasser, der Jüngling entflieht

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