Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Studien zum Buche Esther
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 6)
- Language
- German
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Stutlijen zum. Buche Esther. 15.T und Wettkampf verabreicht wurden; am dritten Tag wurde dem Hermes ein mystisches Opfer dargebracht. Purim ist vom hebräischen Worte פורה »Kelter« herzuleiten, also Faßöffnungsfest. Der erste Purimtag war für > die Dörfer, der zweite für die Städte bestimmt. Dieses Qriechenföst ist unter vielen anderen griechischen Sitten und Unsitten, unter der Herrschaft des Tobiassohnes Josef in Palästina eingeführt worden und hat unter den hellenischen Juden so festen Fuß gefaßt, daß man es später nicht mehr entfernen konnte. Das Buch Esther ist viel später, und zwar in dem Kampfe des Lysias unter Antipchus Epiphänes entstanden. In diesem Buche ist die schwere Judenverfolgung unter dem genannten Syrerkönig verarbeitet1). Das Buch ist für hellenistisch gesinnte Kreise verfaßt und ist deshalb in profanem Stile gehalten. Zweck des Buches ist, den zagenden Juden Mut und Hoffnung‘ einzuflößen und sie für die von den Makkabäern unternommenen Kämpfe zu begeistern,, damit das Volk an diesen Kämpfen regen Anteil nehme. Während aber das Buch Daniel, welches ebenfalls dieser Zeit angehört, für die; chassidäisehen Kreise geschrieben: wurde, ist das Buch Esther für die makkabäerfreundlichen Hellenisten abgefaßt, indem Antiochus als Achaäweros und Lysias als Haman,verkleidet sind: Es ist wahr, beim ersten Eindruck wirkt die Hypotheseallerdings bestechend. Bei ruhiger Überlegung aber treten so zahlreiche Widersprüche und unannehmbare Zumutungen zutage, daß man staunen muß, wieso die Aufstellungen eine größere Beachtung haben finden können. Denn: 1. Wie ist es zunächst denkbar, daß ein Anhänger׳ der Makkabäer, der die gesetzestreuen Juden zum Kämpfe gegen die griechenfreundlichen Stammesgenossen aufrüft,. zu dem Zweck ein Buch verfaßt haben sollte, um ein von seinen Todfeinden, den Hellenisten, eingeführtes Griechen- '■1j Vgl. auch Graetz Qesch. d. Juden II, 2, 331.