Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelsohniana
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 357 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Mendelssohniana. 357 bleibt, so durch Ihre Hände gegangen ist. Allein ich wusste auch, wie viel kostbare Stunden diese milde Gefälligkeit Ihrer Muse raubt, und wie manche bessere Arbeit sie der Nachwelt entzieht, die von ihrem Lieblingsdichter, wie unser L e s s i n g sich ausdrückt, nicht nur viel, sondern auch vieles zu besitzen wünschen muss. Ohne mich dieser Sünde gegen eine Nachwelt theilhaft zu machen, die sicherlich durch meine Uebersetzung nicht entschädigt seyn würde, empfiehlt sich Ihnen diese, sammt allen ihren Fehlern und Unebenheiten. Missfällt sie Ihnen nicht ganz, so findet sich wohl von selbst eine müssige Stunde, in welcher Sie zu nichts bessern aufgelegt sind; und diese schenken Sie alsdann dem Lehrer und Gefährten Ihrer frühen Jugend, dem Psalmisten, welcher Ihre vollendende Bearbeitung so sehr verdient, und Ihrem gelehrigen Freunde, Moses Mendelssohn. Die vorstehende Widmung bildet nicht bloss einen hübschen Nachtrag zu dem obigen Briefe an Ramler, sondern ist ein so anmutiges Stück, dass die Leser gewiss ihre Freude daran haben werden, Man muss sich im Hinblick auf die oben angedeutete Stelle über Ramler-Lichtwer daran erinnern, dass Ramler wegen seiner »Verbesserungen«: der Gedichte anderer berühmt und berüchtigt war. Schon 1782 galt für ihn das Wort, das 1796 Schiller und Goethe in den Xenien auf ihn anwandten: Geht mir dem Krebs in Berlin aus dem Weg; manch lyrisches Blümchen, Schwellend in üppigem Wuchs kneipte die Schere zu Tod. Unser Brief enthält bei allem Lobe doch eine feine Ironie und das Zeugnis einer hübschen Selbständigkeit. der Übersetzer ist sich seiner Originalität doch zu sehr bewusst, als dass er sie durch die Rücksichtslosigkeit des Verbesserers verletzt sehen wollte.