Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelsohniana
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829791-2886109--33731-2886224- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mendelssohniana. Gymnasiums zu Charlottenburg, Berlin 1904). Das Stammbuch, dem die Inschrift entnommen ist, gehörte dem Studenten Jos. Heinr. Soermans, der im Sommer 1776 in Berlin weilte. Er verschaffte sich Einzeichnungen von Theologen, wie Spalding, Sack, Teller, Gelehrten und Beamten, wie Büsching und Pernetty, ging auch den Philosophen nicht vorbei, wie Lambert und Mendelssohn. Ein merkwürdiger Zufall will, dass Ramler, von dem gleich die Rede sein soll, in unmittelbarer Nachbarschaft Mendelssohns steht. Die Inschrift vom 1. August 1776, besonders wichtig deswegen, weil briefliche Zeugnisse Mendelssohns vom Frühjahr 1775 bis Juni 1777 nicht existieren,, lautet so: תם וישר יצרוד כתב לכבוד בעל הספר ברלין מושה בן רבי מנחם כ׳ מנחם התק״לו זלה״ה Die Abkürzung der Segensformel nach dem Namen des Vaters braucht für die Leser dieser Zeitschrift ebenso wenig aufgelöst zu werden, wie die Jahreszahl. Bei der Monatsangabe macht der Herausgeber aufmerksam auf das Wortspiel, mit dem Namen des Vaters und der seltsamen Bezeichnung »Trostmonat«, die für den Monat Ab gewählt ist. Die Psalmstelle (25, 1), die Mendelssohn zur Inschrift bestimmte, lautet nach Mendelssohns eigener Übersetzung: »Aufrichtig sein und gerades Wesen, das behütet mich.« Diese Albumseinzeichnung ist recht bemerkenswert, nicht bloss, weil sie aufs neue die bekannte Tatsache bestätigt, dass Mendelssohn zu den wirklichen Grössen Berlins gehörte, die keiner ausliess, der die Berühmtheiten der Stadt kennen lernen wollte, sondern weil sie das schlichte, aufrichtige Wesen des Philosophen dokumentiert, der gerade einem christlichen Studenten gegenüber durch diesen Spruch seine Selbständigkeit und Glaubenstreue ausdrücken wollte.