Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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'253 Eine archivalische Informationsreise. bisherige Erfahrung gelehrt hat. J e w e r i v o 1 1 e r e i n Stück ist, desto gebotener ist seine Abgabe an das Archiv. Natürlich kann jeder, der dem Archiv ein Dokument zur Aufbewahrung übergibt, sich das Eigentumsrecht an demselben wahren. Wie man Wertpapiere nicht bei sich zuhause hält und sie einem Bankhaus ins Depot giebt, eben weil es Wertpapiere sind, vertraut man wertvolle Schriftstücke, interessante Dokumente älterer Zeit, einem Archiv an. Wer wird heutzutage hoch seine Ersparnisse in einen Strumpf unter dem Strohsack aufbewahren? Das Erhalten und die Aufbewahrung von Archivalien ist aber nicht Selbstzweck! Diese sind dazu vorhanden und werden auch zu dem Behuf aufbewahrt, dass man sie der Forschung nutzbar mache. Sie sollen uns die Vergängenheit kennen lehren, sie sollen uns in vielen praktischen Angelegenheiten, in genealogischen Untersuchungen, in Verwaltungs-^ und Rechtsfragen Auskunft geben und Hilfsmittel sein. Diesen Zweck können sie aber nur erfüllen, wenn sie registriert sind, d. h. wenn man überhaupt weiss, was vorhanden ist, und — sie müssen an e i n e m zugänglichen Orte gesammelt daliegen. Archivalien, die über ein ganzes Land verstreut sind, von denen sich kleine Bestandteile bald an dem einen, bald an dem änderen, entlegenen, nicht immer leicht erreichbaren Ort befinden, sind — selbst wenn sie überall geordnet und richtig untergebracht wären, überall dem Forscher an Ort und Stelle zugänglich gemacht werden würden — so gut wie nicht vorhanden. Der Gelehrte weiss von ihrer Existenz nicht, er kann nur das eine oder das andere hier oder dort vermuten, er ist auf zufällige Mitteilungen angewiesen. Man kann auch nicht, um eine wissenschaftliche Frage zu lösen, weite Reisen unternehmen und von Ort zu Ort fahren. Und wenn man dies auch täte, hätte man doch nicht das Material zusammen, um das eine mit dem anderen zu ver-