Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 49 (1905)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine archivalische Informationsreise
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829787-2829790-2885961--33609-2886083- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Eine archivalische Informationsreise. 239 3. Das Memorbuch des Vereines zur Erziehung von Waisen. Pergament. Angelegt 1767. 4. Das Memorbuch der Klaus (Eigentum der Klaus- Stiftung). Pergament. Dieses Buch hat augenscheinlich eine interessante und abwechslungsreiche Vergangenheit hinter sich. Der erste Teil, der aus 18 Folien besteht und die dem »Memern« meist vorangehenden Oebete enthält, ist augenscheinlich einem anderen, älteren Memorbuch entnommen und mit dem neu angelegten zusammengebunden worden. Die Oebete sind in schöner sorgfältiger Quadratschrift geschrieben, die Anfangsworte mit bunten Miniaturen verziert. Das Gebet für den Landesherrn, nennt als solchen König Wladyslaw וולאדיסלב. Ich glaube, man geht nicht fehl, wenn mann hierunter Wladyslaw IV., König von Polen — regierte von 1632 bis 1648 — versteht. Legt man Oewicht darauf, dass in dem Gebet neben dem König einer Königin keine Erwähnung geschieht, so kann man die Abfassung des Gebetes, und somit dieses ganzen Teiles, in die Zeit verlegen, in der Wladyslaw nocht nicht verheiratet war, also in die Jahre 1632 — 1637. Das alte Memorbuch, zu welchem dieser einleitende Teil gehört hat, ist daher für eine Gemeinde in Polen oder Kleinrussland — letzteres ist noch wahrscheinlicher — bestimmt gewesen. Während der 1648 ausgebrochenen Kosakenunruhen ist das Memorbuch von Flüchtlingen, die dem Blutbad entkommen waren, nach Deutschland gebracht worden. Nicht unmöglich ist es, dass das Memorbuch in seiner Heimat noch nicht in Benutzung genommen worden war. Man kann darauf aus dem Umstande schliessen, dass die Blätter 16b, 17 und 18 unbeschrieben geblieben waren. Erst in Deutschland sind diese fünf Seiten ausgefüllt worden, und zwar mit einem יהי רצון, den Formeln des grossen und kleinen Bannes und einem Gebet für Kaiser Leopold. Da Leopold erst 1658 zum Kaiser gewählt worden ist, kann das Memorbuch erst nach 1658 in Deutschland in Gebrauch