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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-11-01 · Heft 11-12 (November 1904) · p. Seite 722

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 11-12 (November 1904)
Article
Geschichte der Juden in der Reichstadt Kaufbeuren
Date
1904-11-01
Page
Seite 722 (sequence 2)
Language
German
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722 Geschichte der Juden in der Reichsstadt Kaufbeuren. Juden bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts gänzlich fern geblieben zu sein. Noch 1401 findet sich kein Jude in Kaufbeuren, wie aus dem Berichte hervorgeht, den die Reichsstadt an Pfalzgraf Ludwig abgehen Hess, als dieser am 19. Dezember 1401 die Judensteuer einforderte1). Indess zeigte sich bald, dass Kaufbeuren in der damaligen Finanzwirtschaft, dem strengen Zinsverbot der Kirche für die Christen, sowie den regen Handelsbeziehun־ gen, welche speciell die zahlreiche Weberzunft mit der Schweiz und Italien unterhielt, auf die Dauer der Juden nicht entbehren konnte. Und sie kamen auch wieder, der unseligen Vergangenheit und ihrer Warnungen vergessend. Der Erwerbstrieb, dem sich in der rührigen Reichsstadt ein vielversprechendes Feld eröffnete, war zu mächtig. Schon 1407 finden wir einige Juden dort »haushäblich«, ja sogar im Besitze des Bürgerrechtes, wie eine von dem Stadtamman Hartmann gesiegelte Urkunde vom St. Katharinentag dieses Jahres beweist, in welcher Anna Harderin, Witwe und Bürgerin, Lazaro dem Juden, auch Bürger, ihr Haus an der Schmiedgasse um 32 altrheinische Gulden verschreibt2). 1411 spricht das jahrzeitbuch des Spitals auch von einem »badhaus das man nennet der iuden bad in der stat ze Kauffbeuren«, welches nach der Stadtchronik am nordwestlichen Ende der Stadt, zwischen der Sinkmauer und der Ueberschlagsmühle3), vermutlich am Mär־ zenbach (am heutigen untern Berg?) gelegen war, wo sich vielleicht überhaupt das Judenviertel befand. Im übrigen sucht sich die Reichsstadt aller wucherischen Handelsgeschäfte seitens der Juden nach Kräften zu erwehren, als diese die starkverschuldete Bürgerschaft mit landgerichtlichen Prozessen verfolgten und wohl gar in 9 A. Schröder, a. a. O. 2) Hörmann, Stadtchronik, I. Teil a. h. a. (Prot. Kirchenarchiv). 3) Jahrzeitbuch des Spittals, p. 35 (Städt, Archiv). — Hörmann, Stadtchronik, I. Teil a. h. a.

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