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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-09-01 · Heft 9-10 (September 1904) · p. Seite 634

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 9-10 (September 1904)
Article
[Rezension]
Date
1904-09-01
Page
Seite 634 (sequence 8)
Language
German
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634 Besprechungen. Schicksalsgenossen Anschluss sucht, vor allem aber, weil dieses neu-jüdische Ghetto all die Institutionen bietet, die zur Fortführung des religiösen Lebens in der Art, wie es ihm von der Heimat her vertraut ist, notwendig sind. Dieses Zuströmen immer neuer Elemente in denselben Bezirk hat vielfach die Verdrängung der ursprünglich hier ansässigen englischen Arbeitsbevölkerung zur Folge. Der Prozess wird noch komplicirter durch die fortschreitende Citybildung, die immer mehr Grundstücke für rein geschäftliche Zwecke in Anspruch nimmt und die Zahl der verfügbaren Wohnungen vermindert. Der jüdische Arbeiter Londons, der um jeden Preis hier seine Wohnung finden will, zahlt infolgedessen unverhältnissmässig hohe Mieten und begnügt sich mit der unzureichendsten Wohnung. Wesentlich günstiger als die Wohnungsverhältnisse stellen sich die Berufsverhältnisse der jüdischen Arbeiter dar. Die Zahl der auf öffentliche Wohltätigkeit Angewiesenen ist unter den länger in London Lebenden eine nicht eben hohe, ein Beweis, dass es den Einwanderern nach einigen Jahren gelingt, sich selbst zu erhalten. Unter den Berufen, in denen sie tätig sind, kommt in erster Linie die hausindustriell betriebene Konfectionsindustrie in Betracht, die zu grossen Teilen fast ausschliesslich in ihrer Hand liegt. Ueber die Lohnverhältnisse in dieser Hausindustrie herrschen gemeinhin viel zu ungünstige Vorstellungen. Der völlig ungelernte Einwanderer muss sich freilich einige Zeit mit Hungerlöhnen schlimmster Art begnügen. Doch ist diese Zeit im allgemeinen kurz, und späterhin verdient der geschickte Konfektionsarbeiter nicht viel weniger als der englische, in der Massschneiderei beschäftigte, gleichwertige Arbeiter. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Beschäftigung an bestimmte Jahreszeiten gebunden ist, wodurch der Jahreslohn natürlich erheblich sinkt. Auch steigen die Arbeits- Zeiten gelegentlich zur grauenerregenden Höhe. Allein für den Einwanderer bedeuten diese Verhältnisse einen ausser-

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