Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1904)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1904-09-01
- Page
- Seite 632 (sequence 6)
- Language
- German
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632 Besprechungen. zelne von socialistischer Seite ins Leben gerufene Organisationen, insbesondere Strikekassen, die auch miteinander mehr und mehr Fühlung zu nehmen suchen. Aus diesen Bestrebungen geht im Jahre 1897 der jüdische Arbeiterbund für Polen und Russland hervor, der die gesamte jüdische Arbeiterschaft dieser Länder zu umfassen strebt. In einzelnen Städten gelingt es ihm in der Tat bis zu 40% der Arbeiterschaft für seinen Verband zu gewinnen. In einzelnen Gewerben des gesamten Gebietes umfasst er bis zu 60% der Arbeiterschaft. Die Tätigkeit des Bundes während der kurzen Zeit seines Bestehens ist von ausserordentlichem Erfolg gekrönt gewesen. Ein grosser Teil der unter seiner Leitung unternommenen Strikes hat geradezu überraschende Erfolge gehabt. So sind in Hornel bei den Tischlern und Schlossern 50%, bei den Schneidern 30—40%, den Schustern 15—40% Lohnerhöhung erkämpft worden. In letzter Zeit hat sich auch in der allgemein politischen Richtung des Bundes eine Wandlung vollzogen, indem er sich dem Judentum wenigstens in nationaler Beziehung freundlicher gegenüberstellt. Die an zweiter Stelle genannte Arbeit ist der Bericht über eine Reise, welche die Verfasserinnen, FrL Pappenheim und Frl. Dr. Rabinowitsch, im Aufträge deutscher Wohltätigkeits-Vereine nach Galizien unternommen haben, um insbesondere die Ursachen des Mädchenhandels zu erforschen und Mittel zu seiner Bekämpfung ausfindig zu machen. Sie geben jedoch ein Bild der gesamten kulturellen, besonders der wirtschaftlichen Lage, der galizischen Juden, da nur in diesem grösseren Zusammenhänge auch ihr spezielles Thema sachgemäss behandelt werden könne. Der gegebene allgemeine Ueberblick über die Lage der galizisehen Juden enthält nicht gar zu viel Neues, gibt aber das Bekannte in sehr klarer und anschaulicher Weise, freilich von der ersten Berichterstatterin etwas allzu subjektiv gesehen, wieder. Der wertvollste Bestandteil des Buches ist die Darstellung des Erziehungs- und Wohltätigkeitswesens.