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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1904) · p. Seite 428

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1904)
Article
Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschaftlichen Betätigung
Date
1904-07-01
Page
Seite 428 (sequence 6)
Language
German
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428 Die Juden des Mittelalters in ihrer wirtschafte Betätigung. schauungsweise nicht günstig. Die Weisheit sei nicht bei Handelsleuten und (reisenden) Kaufleuten zu finden. Wer auf Zinsen ausleiht, wird einem Hazardspieler gleichgestellt und als lasterhafter Mensch erachtet1). Gleichwohl ist kaum zu bezweifeln, dass nicht ganz wenige Juden bereits in der Römerzeit durch Handel und Geldgeschäfte Erwerb fanden und Reichtum gewannen. War doch gerade Alexandria, wo die Juden andauernd einen verhältnismässig hohen Prozentsatz der Bevölkerung ausmachten, die Centralstätte des Welthandels. Eine leider sehr dunkle Stelle des Dichters Claudian vom Anfang des 5. Jahrhunderts spricht von »quidquid inane nutrit Judaicis que pingitur India velis«2). Die dazu von Birt3) gegebene Erklärung fasst vela wörtlich als Segel, die von Juden gewoben sind, und auf denen Gestalten von indischen Fabelwesen eingewirkt waren. Wenigstens vermutungsweise möchte ich die Ansicht äussern, dass que sich auf India bezieht, dass vela und pinguere in übertragener Bedeutung gebraucht sind, und dass also von jüdischen Schiffen die Rede ist, welche die Küste Indiens umschwärmten. Unmöglich ist es gewiss nicht, dass an dem zur Römerzeit sehr lebhaften Schiffsverkehr vom Roten Meer nach Indien, für den Alexandria den Stapelplatz bildete, die Juden Alexandriens und Arabiens regen Anteil nahmen. Für die Schiffahrt der Juden auf dem Mittelmeer haben wirZeugnisse des 6. Jahrhunderts. Besonders merkwürdig ist eines bei Gregor von Tours4), das ein von Nizza nach Marseille fahrendes Schiff vorführt, auf dem offenbar die seetechnische Leitung von Juden wahrgenommen wurde. Die Existenz jüdischer Schiffsrheder in Alexandria setzt eine Verordnung des Kaisers Theodosius ג) Delitzsch 1. c. S. 25 f. 2) Claudiani carm. XVIII in Eutropium lib. 1. v. 356 f., M. G. Auct. ant. 10, 87. 3) Rheinisches Museum N. F. B. 45 (1890) S. 491 ff. 4) M. G. Scr. rer. Merov. 1, 809.

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