Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 48 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg
- Date
- 1904-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 8)
- Language
- German
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290 Die Einführung des Hebräischen in Wittenberg. Diese günstige Gelegenheit, das Gespenst für die Wittenberger, bot sich nun als Cellarius aus eigenem Antriebe nach Leipzig kam. Der Herzog sagte zu und Cellarius lehrte dort schon im Sommer 15191) als erster öffentlicher Dozent Hebräisch. Und er ist ausserordentlich eifrig gewesen, sodass man in Wittenberg allen Anlass zu dem Bedauern gehabt hätte, diesen Mann nicht sogleich festgehalten zu haben. Er hat bis gegen das Ende von 1519 über die folgenden Gebiete gelesen2): über sein Isagogicon, über die Grammatik des Mosche Kimchi, über die des Capito, über von ihm selbst ausgearbeitete Tabellen, über die heilägen Gebete der Juden, über den Psalter, die Genesis und die Proverbia Salomos, über die Bücher vom Accent und der Orthographie R e u c h 1 i n s; ausserdem hatte er sich an die Ausarbeitung einer eigenen Grammatik gemacht und beabsichtigte, einen hebräisch-lateinischen Kommentar zu den Psalmen herauszugeben. Zu seinen Schülern zählte er die Hebräer Philippus Novenianus Hasfurtinus und Matthäus Aurogallus, den späteren Wittenberger Professor. Dass er sich in seinen Streitigkeiten mit Mosellans Schüler Petrus Suauenius, die sich an die Leipziger Disputation anschlossen3), sehr missliebig über Mosellan geäussert hatte4), machte ihm wohl Leipzig so unbehaglich, dass er 1520 oder 1521 von dort verschwand. Gegen Ende des Jahres 1520 war er vorübergehend in Erfurt, von wo x) F. Gess, Leipzig und Wittenberg, im Neuen Archiv für Sächsisehe Geschichte, XVI, 62. 2) Das berichtet sein Schüler Philippus Novenianus in der Peroratio zu seinem Elementale Hebraicum. IB. Nr. 53. 3) Cellarius hatte in seinem Bericht an Capito nach Suauenius’ Meinung nicht mit der nötigen Achtung von Mosellan gesprochen. 4) Johannes Cellarius, Seria Responsio ad apologiam Petri Suauenij. IB. Nr. 27. Die andern Schriften dieses kleinlichen Streites: IB. Nr. 62, 63, 26.