Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 47 (1903)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Der Streit um den Moreh des Maimonides in der Gemeinde Posen um die Mitte des 16. Jahrh.
- Date
- 1903-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 10)
- Language
- German
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Der Stroit um den Morelx des Maimonides in Posen. 355 Er darf freilich nicht mit Salomo ben Jehudah Lübisch II. verwechselt werden, welcher nach dem Zeugniss seines Schülers Joel Sirkes, genannt ב״ח, um 1581 Oberrabbiner von Posen war (Rga. בית הדש Nr. 8(>). Es verdient noch erwähnt zu werden, dass ein amt- Hoher Eintrag in den Libri Civium 1544 (f. 122b u. 123a) einen Schachno als Rabbiner von Posen nennt: ״Schachno doetor Ilebreus de Posnaniaa“. Ein Krakauer Jude Abraham, Sohn des Samuel, hatte nämlich einen Posener Juden Schado, Sohn des Mordechai wegen einer Summe von 840 fl. zur Schuldhaft bringen lassen. Der Posener Rabbiner Schachno befreit den Schado aus. dem Schuldgefängnis, indem er für den fraglichen .Betrag von 840 fl. die Bürgschaft leistet und *diese Schuld durch einen Schuldschein, den die Posener Juden Jacob Tlusty (d. ii. der dicke Jakob) und sein Sohn Kadisch, der Lemberger Jude Natan Czarny (d. h. der schwarze Nathan) und sein Commis Cbaim zusammen ausstellen, tilgen lässt. Die Quittungen werden merkwürdigerweise in die Grodakten eingetragen, wobei der Rabbiner Schachno und die zahlenden Juden zu Gunsten der Schlossgerichtsbarkeit auf ihre jüdische Jurisdiction verzichten. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch berichtigend constatiren, dass ein Simon Günzburg, der sogar Feldmesset’ und Architekt gewesen sein soll, als Vorsteher der Posener Gemeinde im 16. Jahrh. (Graetz, Geschichte der Juden IX3, S. 448)1) sich nirgends entdecken, und nachweisen lässt; in den gerade für jene Zeit reichlich vorhandenen Akten ist auch nicht die geringste Spur von ihm aufzufinden, so dass sein Name aus der Geschichte der Posener Judenschaft; des 16. Jahrhunderts gestrichen werden muss. J) Graetz fiat es aus Czacki, Kozprawa o Zydach, in Verbindung mit .Sternberg, Gosch., S. 148, entnommen. Allein Czacki ist für jüdische Namen zur Bezeichnung von Persönlichkeiten durchaus kein zuverlässiger Gewährsmann, er hat überdies in diesem Falle nur eine Vormuthung ausgesprochen. Ich gebe die Stolle, die sich Ausgabe Krakau 800נ S. 50 Arnn. 3 findet, in deutscher Uebersetzung hier wieder: ״An einigen «Stellen der Commendonischen Briefe, welche in der Barbarinischen Bibliotliek in Kom und in den Vaticanischen Archiven sind — ich habe die Copien bei mir, — erwähnt er, dass ein jüdischer Doetor Zutritt zum König und zu vielen Herren hatte. Es scheint, dass hier die Uede von Simon aus Günzburg ist, einem Posener Vorsteher. Er erzählt, dass er Briefe durch .luden hieher schickte, aber er lobt die im Krakauer und Warschauer Bezirk wohnenden Juden nicht 80 »ehr, wie die in der Ukraine.“ 23*