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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1902-09-01 · Heft 9-10 (September 1902) · p. Seite 490

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
46 (1902)
Issue
Heft 9-10 (September 1902)
Article
[Rezension]
Date
1902-09-01
Page
Seite 490 (sequence 2)
Language
German
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490 Besprechungen. 27. Mai 1605, wo ein Gutsbesitzer Klage fülirt, dass Juden aus Chomsk (im Kreise Pinsk) ganz nach der damals unter den polnischen Edelleuten herrschenden S\tte den Hof seines Taters überfallen, seine Mutter ges chlagen und misshandelt und zuletzt eingesperrt hätten, so dass si$ daran gestorben wäre. Da wir die Tertheidigung der altera pars nicht vor uns haben, so ist es selbstverständlich unmöglich den wahren Sachverhalt zu ermitteln. Tiele Documente beanspruchen ein allgemeineres Interesse. So enthält nr. 1 ein Privileg, gegeben vom König Siegmund Kam 25. April 1517 den Juden in Troki (bei Wilna), dass die Christen sich in die Angelegenheiten der jüdischen Hälfte nicht zu mischen und sogar auch von den christlichen Bewohnern dieser Hälfte keinerlei Steuern zu verlangen hätten. — In nr. 32, datiit vom 24. März 1589, klagt ein Bauer gegen einen jüdischen Arzt in Brest (d. h. Brisk in Litthauen), Namens Josek (d. h. Josef), dass dieser seine, des Bauern, Schwester zu sich genommen hätte, um sie zu heilen und dafür in Voraus 3 polnische Gulden erhalten habe, sie aber nicht nur nicht geheilt, sondern sogar ohne Obhut gelassen und aus der Stadt gefahren sei, — Nr. 113 ff. enthalten detaillirte Nachrichten über die Demolirung und Plünderung der alten Synagoge in Wilna am 6. März 1635 und ihre Vorgeschichte. Es werden die geplünderten und vernichteten Gegenstände der Synagoge angegeben und ihr Werth auf 100.000 polnische Gulden berechnet. — Nr. 28i, datirt vom 13. April 1650, enthält ein genaues Verzeichnis der jüdischen Häuser in Pinsk. — In nr. 305 geben die Juden von Pinsk an, dass die Kosaken am 4. Juli 1660 über sie herfielen, viele unter ihnen nebst ihren Plauen und Kindern niedermetzelten, Synagogen, Häuser und Geschäfte verbrannten und ihr Vermögen plünderten. Zwei polnisehe Beamte bestätigen diese Angaben. — Auch an Versuchen, einen Ritualmord zu construiren, fehlte es zu dieser Zeit nicht in Litthauen. In nr. 318 wird sehr umständlich erzählt, wie im Jahre 1663 in einem Städtchen Woinia einer Erau ein Kind ertrunken war. Die Mutter wurde beschuldigt, dass sie selbst ihr Kind ertränkt habe und deswegen eingesperrt. Während dessen wurde das Kind mit Wunden bedeckt gefunden, und man wollte die Mutter zwingen, sie solle aussagen, dass die Juden es gethan hätten. Die Erau litt unter schrecklichen Martern, konnte aber nicht dazu bewogen werden, ein falsches Zeugnis abzulegen. Den weiteren Verlauf der Sache wissen wir nicht. — Auch sonst sind hier sehr interessante Nachrichten enthalten. Es würde uns aber zu weit führen, auf ihren Inhalt genauer einzugehen. In einer ausführlichen Vorrede, unterschrieben von einem Mit־- gliede der Commission, Namens Sprogis, werden die Documente nach Gruppen geordnet und ihr Inhalt eingehend besprochen. Die Beleuchtung, die ihnen hier zu theil wird, ist eine durchaus judenfeindliche. Zwei Register, der Personen- und Ortsnamen, beschliessen diese Püblication, die dem Historiker der Juden in Litthauen viel beachtenswerthes Material bietet. Dr. Samuel Poznahski. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt Eür die Redaction verantwortlich : Dr. M. Brann, Breslau. Druck Y0n Adolf Alkalay & Sohn, Pressburg.

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