Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 336 (sequence 2)
- Language
- German
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336 Besprechung. Sprachforscher, Theologen und Historiker Interesse, die keilinschriftlicbe Litteratur enthält auch für mannigfache andere Fächer eine Fülle beachtenswerther Einzelheiten. Es ist daher dringend geboten, dass nicht bloss die Assyriologeu von Fach in die Kenntniss der keilinschriftlichen Literaturdenkmäler ein dringen, sondern dass auch jedem Gelehrten, ja jedem Gebildeten, überhaupt, die Möglichkeit gewährt werde, selbst das Studium der assyrischen und babylonischen Sprache zu betreiben, soweit das für seine Zwecke erforderlich ist, damit er sich nicht mit Ueber- Setzungen zu begnügen brauche, clie er kritiklos hinnehmen muss und die ihm doch nur ein schwaches Abbild des eigenartigen Originals geben können. Das vorliegende Buch von J. Rosenberg soll nun einen jeden in den Stand setzen, sich die Anfangs grün de des Assyrischen anzueignen, damit er, derart ausgerüstet, mit Leichtigkeit in die Geheimnisse der Assyriologie eindringen könne. Seiner Aufgabe wird das Büchlein insoweit gerecht, als es dem Anfänger die elementarsten Begriffe in fasslicher und ansprechender Form beibringt. Man wird nach dem Studium dieser Meinen Grammatik ohne allzu grosse Mühe die sonst für das Selbst־ Studium wenig geeigneten grösseren Grammatiken und Lehrbücher durcharbeiten können. Diese freilich wird das Büchlein nie ersetzen können, und ohne die Anleitung dieser unentbehrlichen Hilfsmittel wird an eine sichere Resultate erzielende Forschung nicht zu denken sein. Als erste Einführung in das eigenartige Idiom und Schriftsystem kann man das Werk eben aber gut gebrauchen. Es bietet dem Lernenden eine Uebersieht über die wichtigeren Zeichen und die Schriftlehre, über Laut- und Formenlehre und behandelt namentlich das Verbum mit dankenswerther Gründlichkeit und üebersichtlichkeit; auch sind einzelne interessante Texte zur Hebung in Transscription und deutscher Uebersetzung beigegeben. Dem Ganzen folgt ein Syllabar, Chrestomathie mit Aussprachebezeichnung lind Uebersetzung und ein kleines Vokabular. Als ein Mangel muss die Beschränkung auf das Assyrische bezeichnet werden. Um sich ein eigenes Urtheil über die Ergebnisse der Assyriologie zu bilden, ist nothwendigerweise auch die Kenntniss des Baby- Ionischen erforderlich. Es hätte also in der Einleitung auf das Baby- Ionische hingewiesen werden müssen, und die Zeichen waren zugleich in babylonischer Schreibweise anzugeben Bedauerlich ist auch, dass Verfasser den Unterschied zwischen dem Babyl. und Assyrischen nicht scharf genug im Auge behält und in der Einleitung Litteraturdenkmäler als assyrisch bezeichnet, die in Wahrheit babylonisch sind. Auch sonst unterlaufen dem Verf. einzelne Unrichtigkeiten, so z. B., um von Anderem zu schweigen, ist das jüngste Literaturdenkmal nicht die In schritt des Antioehus Sotcr 280 v. Ohr., sondern es giebt Thontafeln aus dem Jahre 81 v. Ohr. (vgl. Reisner, Sumerisch-Babyl. Hymnen, Publication des Kgl. Museums zu Berlin); Duppu bedeutet nur ״Tafel“, niemals aber ,,Lehrgang“. Im ganzen wird man dein Büchlein seine Anerkennung nicht versagen, es bedeutet immerhin einen Fortschritt in der Popularisierung der Wissenschaften. Dr. Die nein ann. Unberechtigte!• Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt. Für die Redaction verantwortlich: Dr. M. Braun, Breslau.