Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 Besprechungen. 8. [Nr. 1368—1380 der ״Bibliothek der G.esamtlitteratur des In - und Auslandes]. Verlag von Otto Händel in Halle a. S. Geh. 3,25 M. Heb. 3,50 M. Dem jüngst (oben S. 91 f.) besprochenen ersten Bande dieser lieber- Setzung ist schon jetzt, der zweite gefolgt, der in uneingeschränktem Maasse dieselbe Anerkennung wie der erste verdient. Das Deutsch ist auch hier wohllautend und fliessend, obwohl der Urtext überall sorgfältig und gewissenhaft festgehaltcn ist. Besonders dankenswerth sind die beigegebenen Geschlechtstafeln der Hasmonäcr und Herodäcr. Namentlich in dem genealogischen Wirrsal der Nachkommenschaft des Herodes würde selbst ein geschulter Leser ohne eiue derartige tabellarische Uebersicht sich nicht zurechtlindcn können. Da Salome, der Herodias Tochter, in der neutestamentliehen Zeitgeschichte eine gewisse Rolle spielt, so wäre es vielleicht am Platze gewesen, wenn der Uebersetzer hiiangefügt hätte, dass sie in zweiter Ehe mit Aristobul, einem Sohne des Königs Herodes von Chalcis (Aut. NVIII, 5, 4), verheirathet gewesen ist. Uebrigens regierte ihr Oheim Agrippa I. bekanntlich von 37 (und nicht von 3G, was vermuthlich nur ein Druckfehler ist) bis 44. Zu XV, 11,3 bemerkt der Uebersetzer (S.. 358) richtig, dass vom inneren Tempelthor die Rede sei. Der kurze Hinweis auf die Mischnah (Middot Hl, 7. 8) hätte hier nahe gelegen. Zu XVII, 8, 1, w70 vom Tode des Herodes (4, v. Chr.) die Rede ist, macht der •Uebersetzer (S. 471) die ganz unverständliche Bemerkung: ״Hiernach wäre das wirkliche Geburtsjahr Jesu Christi etwa in das siebente Jahr vor Beginn unserer Zeitrechnung zu verlegen/' Die Stelle XVIII, 3, 3, die von Jesus handelt, ist in gesperrtem Druck ohne jede weitere Erklärung wiedergegebeu. Dass aber Josephus so von Jesus nicht 'gesprochen haben könne, liegt klar auf der Hand. Die Aussage muss eiltweder interpoiirt oder ganz unacht sein. Ich würde mich für die letztere Alternative entscheiden. Wie dem aber auch sei, in jedem Falle hätte hier eine Anmerkung, die das Sachverhältniss andeutet, gemacht werden müssen. Zu der Erzählung vom Uebertritt der Königin Helena zum Judenthum (XX, 2,1) macht der Uebersetzer die wunderliche Anmerkung (S. 638): ״Vgl. hierzu den Jerusalemitischen Talmud Sukka 1 und Nazir 3,6 sowie das Erbauungsbuch Midrasch Bereschith RabbaV Er wäre allem Ungemach aus dem Wege gegangen, wenn er sehr einfach Brüll, Jahrbb. f. jüd. Gesell, n. Litt. I, 66 if. citirt hätte. — Das hinziigefiigte Namenregister hat bei den zahlreichen Stichproben, die ich angestellt habe, nie den Dienst versagt. Nur die folgenden kleinen Berichtigungen habe ich notiert: S. 67Jt> ist Abiathar, Sohn des Ahimelech (statt: Abimelech) zu lesen, und S. 692k in der letzten Zeile ist das Citat I, 10, 1 hinzuzulugen. Die Brauchbarkeit, des Verzeichnisses wird wesentlich erhöht durch den Umstand, dass den Namen kurze und bündige historische und geographische Bemerkungen meist nach dein bekannten Böttgersehen topographisch-historischen Lexicon zu den Schriften des Josephus hinzugefügt sind. Gern folge ich schliesslich dem brieflich ausgesprochenen Wunsche des Herrn Dr. Clementz und gebe hiermit von seiner Absicht Kenntniss, bei einer etwaigen zweiten Auflage eine Vergleichung mit dem Niesesehen Texte zu veranstalten und die biblischen Par alleistellen (vgl. oben S. 92) anzugeben. Hoffentlich ist es ihm gegönnt, die Uebersetzung der übrigen Schriften des Josephus, mit der er beschäftigt ist, zu einem glücklichen Ende zu bringen. M. Brann. Unberechtigter Nachdruck aus dein Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt. Für die Redaction verantwortlich: Dr. M. Brann, Breslau.