Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 44 (1900)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1900-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 2)
- Language
- German
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96 Besprechungen. sein. Es ist zu einem grossen Tkeil ein neues Buch, das Meiste in den Cap. 18—20 [die von dem angeblichen Zeugniss der Geschichte für jiidische Ritualmorde (S. 121—167), vom Widerspruch frommer Juden und Christen gegen die Blatbeschuldigung (S. 167—198) und vom Ursprung der ״Blutbesch lüdigung“ (S. 194—202) handeln] ist neu geschrieben worden: es war wichtig zu zeigen, dass die Geschichte keine Beweise für ״Jüdische Ritualmorde“ liefert, und dass die bedeutendsten Päpste und weltlichen Herrscher der Blutbeschuldigung nachdrücklich widersprochen haben, kein einziger Papst hat sie gebilligt“ . . . (S. VIIIf). Das genügt zur Charakterisirung des Inhalts und der Tendenz der vorliegenden Schrift. Den Herrn Verfasser, der die geschmähte Unschuld vertheidigt, wegen seiner sittlichen Gesinnung, so hoch sie steht, zu loben, fällt mir nicht ein. Wer für die Wahrheit freimüthig Zeugniss ablegt, hat kein Lob verdient, sondern einfach seine Pflicht und Schuldigkeit gethan. Das Material, welches der Vf. mit Fleiss und Ausdauer zusammengetragen hat, ist gediegen und erschöpfend. Seine Gelehrsamkeit ist erstaunlich, seine Beweisführung glänzend und unwiderleglich, seine Darstellung ansprechend und eindrucksvoll. So wird sein Buch ein brauchbares und nützliches Arsenal für alle diejenigen, die Waffen zur Abwehr gegen Lug und Niedertracht nöthig haben, sein und bleiben. Nichts dostowenigor ist die Existenz desselben eine Schmach, und zwar keineswegs eine solche für die geschmähten Juden und das geschmähte Juclenthum. Aber herrlich weit hat es in der That die viel gerühmte christlich-germanische Cultur gebracht, wenn sie an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts nach der Geburt des Erlösers, den sie in den Mittelpunkt der Weltgeschichte stellt, es dringend nöthig hat, den Christgläubigen nachzuweisen, dass der Stamm, dem Jesus im Fleische angehört hat, nicht eine Bande feiger Meuchelmörder gewesen ist. Wie sagt doch Juvenal Sat. I, 30? — Uns Juden kann es recht sein. Wir haben Babel und Rom und manches andere Ungemach überdauert; Gottes Güte und Gnade, die uns bis heute nicht verlassen hat, wird uns auch über Polna und Könitz hinweghelfen. Wie wild immer die Lästerer toben mögen, wir lassen uns dadurch nicht irre machen. Denn unser ist die bereits durch tausend Thatsachen bewährte Verheissung des Propheten (Jes. 54, 17), die auch in alle Ewigkeit ihre Wirksamkeit nicht versagen wird. M. Braun. Berichtigung. Im vorigen Hefte sind folgende Druckfehler zu berichtigen: S. 12, Anm. 2, ist öjotf zu lesen. — S. 13 gehört Anm. 3 an’s Ende des Textes, und der Anfang der Anm. muss lauten: ״Vgl. übrigens“. — Daselbst ist im Text ZI. 4 v. u. die Klammer zu streichen. — S. 15, ZI. 14 v. 0. muss es ותצ״ץ und ZI. 3 v. u. N. 134 heissen — S. 20, ZI. 19 ist וו׳ statt וז׳ zu lesen. — S. 23, ZI. 15 ist die Klammer [וחקפ״ח] selbstverständlich zu streichen. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt. Für die Redaction verantwortlich: Dr. M. Braun, Breslau.