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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1898-01-01 · Heft 3 · p. Seite 144

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
42 (1898)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1898-01-01
Page
Seite 144 (sequence 2)
Language
German
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144 Bospivehunguu. wiegender Verkennung und Verketzerung. Zu denen, welche sich wogen Sjiino/.isimis vort.hoidigvn mussten, gehurte auch der /.um Judmithum über, getretene Schulmeister J. P. Spaeth, über den sich der Verfasser jedoch nicht genügend infonnirt hat. Er hiess Sjiaeth, nicht Speeth, stammt.0 aus Wien, nicht aus Augsburg und hat kein Buch: ״I)c ortu et progressu pantheismi“ geschrieben. Der Titel lautet, vielmehr. ״De ortu et progressu täcultatis et ibrnuili insfitutiono artis medicinae apud Judaeos“, — Seitdem Lessing sein ״Ev •/.ou an die Wand des Gloim’sehcn Gartenhauses in Halherstadt geschrieben hatte, und der Streit um Hessings Spinozismus. zwischen .lacohi und Mendelssohn enthrannt war, wurde der Weise von Amsterdam zu Ehren gebracht» ja überschwänglich verherrlicht Er, den man bis dahin, wie den leibhaften Gottseibeiuns, nicht bei Namen nennen mochte, wurde nun von einem hochgestellten Geistlichen zum Heiligen gemacht und mit dem heiligen Christ auf eine Stufe gestellt! (Herders siimmtiicho Werke, hg. v. 1>. Suphan XXIX* S. (W7). Der Widerspruch Herbarts bewirkte, dass man mit mehr Kritik au sein Studium horantrat. ln der kantisehen Schule vollzog sieh die Wiedergeburt dos Spinozismus. Schölling nannte sich selber erst einen Erneuerer, später einen Fortbildner Spinozas; bei ihm wäre eine Hinweisung auf sein ״Epikurisch Glaubensbekenntniss Hans Widerporstcns“ wohl am Platze gewesen. Audi unsere heutigem Modephilosophen: Schopenhauer, Hartmann, Nietzsche sind Schosslinge am Stamm des Spinozismus. — Als um die Mitte unseres .Jahrhunderts die .Speculation vor der exaeten Naturforschung in den Hintergrund trat, da war es gleichfalls Spinoza, welcher die Wege wies. Die seitdem in der Wissenschaft herrschende Xaturanschaumig geht, durch Vermittelung Schöllings, auf ihn zurück; durch Darwin ist dieselbe nur vertieft, nicht beseitigt, worden. Johannes Müller, der geniale Begründer der modernen Physiologie, der Lehrer Dubois-Revmonds, war eifriger Spinozist, ebenso Rechner, der Begründer der Psychophysik. — Der Dichter des Spinozismus war Goethe, für die Geschichtsbetrachtung hat ihn Herder fruchtbar gemacht. Liehtenberg .sah im Spinozismus die Religion der Zukunft; Schleiermacher wurde der Apostel einer solchen spinozistischen Religion, die er Christenthum nannte. Spinoza ist, nach I). F. Strauss, Miturheber der rationalistischen Ansicht von Christo und der erste, welcher den Grundgedanken der speculativen Christologie rein und deutlich aussprach. Die moderne Bibelkritik verehrt ihn als ihren Vater. — Auf dem Gebiete der Keehtslehre und Politik sind Spinozas Ideen vom Verhäitniss des Staates zur Kirche, von politischer Freiheit, von allgemeiner Wehrpflicht zur Geltung gekommen. Neigt Spinozas Anschauung entschieden nach der überalen Seite hin, so darf sich doch auch der Sozialismus auf ihn berufen. Bismarck hat Spinoza, den er weit über Hegel stellt, fleissig studirt; dass aber der Charakter unseres Altreichskanzlers durch dieses Studium entscheidend beeinflusst worden ist, wie der Verfasser S. 247 behauptet, lässt sich aus den von ihm angegebenen Belegstellen nicht entnehmen. — Jedenfalls sehen wir den Spinozismus überall, wo sich im modernen Denken ein• Fortschritt vollzog, als wichtigen Factor mitwirken. Wenn aber Spinozas Lohre als unmittelbare Fortsetzung der jüdischen Religionsphilosophie zu. betrachten ist (S. 4)» dann hat nicht bios Spinoza, sondern dann haben auch die jüdischen Denker des Mittelalters dio Saat mit ausgestreut, aus welcher der moderne Staat und die moderne Weltanschauung erwachsen sind. Berlin. Dr. N, Samt er. Unberechtigter Nachdruck aus de!11 Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt-

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