Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 41 (1896-1897)
- Issue
- Heft 8
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1897-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 371) Die .seit 18SP in russischer Sprache als Jnauguraldissortanon in Petersburg gedruckte Abhandlung des als Fachmann mul gründlicher Kenner der talneidischen Litteratur in seltener Weise zu dieser Untersuchung befähigten Dr. Leon Katzenelsou wird durch diese fliessende und. von Einzelheiten abgesehen, wohl auch treue Uebersetzung der Wissenschaft erst zugänglich gemacht, die auf eine Arbeit von gleicher Zuverlässigkeit und 8achkuude bisher verzichten musste Ob Spuren des Einflusses der jüdischen Mediein in der unseren fortwirken oder nicht, die ErfoHehung und Feststellung־ der ז tu. Talmud nachweisbaren medicinischen Anschauungen und Kenntnisse bleibt nicht nur für die Erklärung der Hcalien dieser weitschichtigen Litteratur, sondern auch für die Geschichte der Wissenschaften überhauptein verdienstliches Unternehmen. Ohne dem Urtheil der Berufenen vorgreifen zu wollen, mag liier nur im Allgemeiner! der wohlthuende Eindruck bezeichnet werden, den die vorurtheilslose Abwägung der über die alte jüdische Litt«׳ratur zurstreuten Aeusserungen in allen Fragen der normalen und pathologischen Anatomie zu machen geeignet ist. So lückenhaft sich uns auch durch diu Natur der t^uellen, die dieses Gebiet nur zufällig und von der Sache fendiegenden Gesichtspunkten aus behandeln, dieses System altjüdiseher medicinischer Anschauungen darstellt, so Fällt doch selbst in den erhaltenen Bruchstücken die Selbstständigkeit auf. die eine Unabhängigkeit von der griechischen Wissenschaft und ein gesundes, ursprüngliches Urtheil aus eigener Beobachtung ergiebt. Die Erforschung des niensch־ liehen Knochenbaues zeigt sich in Einzelheiten sogar Galenus überlegen, dessen Beschreibungen nur aus seiner ausschliesslich an Thierlciehen geübten Zergliodevungskunst sieh erklären. Von hohem Interesse ist im Besonderen der Nachweis, dass die autlällende und oft bemängelte Zählung von 248 Gliedern des Menschen von den Ergebnissen des Kochprocesscs von Leichen lb—l?jähriger Individuen hergenommeu ist. Oer Aufzählung und Terminologie dieser 24S Gliedmassen hat Dr. Katzenelson unter dem Titel ר«?״ה אב״״יס (I'etersburg 1888,8°) eine hebräische Schrift gewidmet, die der Aufmerksamkeit Aller empfohlen sein mag, die von der früher von Dr. Kabbinowiez in seiner medecine du Talmud gegebenen Lösung des Problems, welche die Section von Embryonen zur Voraussetzung nimmt, sich nicht befriedigt fühlen. Zuletzt hat Dr. Katzenelsou, der seine spärliche Müsse als Ordinateur dos Alexander-Krankenhauses in 8t. Petersburg unermüdlich der Erforschung der biblischen und talmudischeu Medicin widmet, in der 8ammelschrift 2חילן {Petersburg 181)4, 8״) p. 41— 80 das viel behaudelte Problem der in der Z.-Schrift besprochenen Kranklieitsforrnen des Aussatzes zum Gegenstände einer durch ihre ►Sachlichkeit, wie durch die meisterhafte Beherrschung des hebräischen Ausdrucks gleich sehr bemerkenswerthe Untersuchung gemacht. Möge es dem ausgezeichneten Fachmanne beschieden sein, das Werk, das er über die so schwierigen und selbst für gewiegte Kenner des Talmud spinösen Gebiete der sog. Keinheit und Unreinheit unter dem Namen טומאה וטהררז yAl schreibe־«[ sich vorgesetzt hat, zu Ende zu führen und die Wissenschaft mit einem neuen Ariadnefaden für dieses weit gezogene Labyrinth zu beschenken. David Kaufmann.