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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1897-01-01 · Heft 6 · p. Seite 284

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
41 (1896-1897)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension] / Pinkuss
Date
1897-01-01
Page
Seite 284 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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284 Besprechungen. Maybaum, Dr. S Predigten, Zweiter Theil: Predigten und Schrifterklärungen. Erstes und zweites Buch Mose. Berlin 1894. 817 »88., 8׳\ B. Weisstocks Buchhandlung. Die vorliegenden Ke den schliessen sieh an die 1892 veröffentlichteu ״Kasualreden“ (Berlin, Bibliographisches Bureau) desselben Autors als 2. Teil seines Predigtwerkes an. »Sie bieten 89 Predigten und Schrifterklamngen zu fast allen Wochenabschnitten des 1. und 2. Buches Mose, als Anhang 6 Kasualreden, darunter die Beden an der Bahre Dr. Cassels und L. Lewandowskis. Was diese kurzen Beden des gefeierten Berliner Kauzelredners jedem Leser, vor allem auch dem Laien, besonders anziehend und interessant macht, ist der Umstand, dass sie in Form und Inhalt durch und durch modern sind, dass fast jede Frage, die einem modernen Menschen und Israeliten am Herzen liegt, mehr oder weniger eingehend besprochen wird. ״Ethische Kultur“ und religibser Indifferentismus, Mischehe und Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts. jüdische Angelegenheiten betreffende Veröffent-?.ichuugeu der Tageslitteratur. sie alle zieht M. in den Kreis seiner Betrachtuugen und weiss sie in schlichter und einfacher, klarer und abgerundeter Darstellung dem Verstiindniss seiner Hörer bezw. Leser naher zu bringen. Besonders wohlthuend berührt die Wärme der religiösen Ueberzeugung, die trotz der vorgetragenen freisinnigen Anschaunagen aus diesen Predigten zu uns spricht, und ferner, wo es sich um die Vertheidiguug unserer Religion und die Richtigstellung alteingewurzelter Missverständnisse handelt, eine gewisse freimiithige Furchtlosigkeit, die auch den Widerspruch der Zuhörer nicht scheut, und die dem Autor, wie dem Bef. erinnerlich, auf Grund der Rede Nr. 39 die Missbilligung eiucr Anzahl ailzuängstlichor Gemüt her eingetragen hat. Anerkenuenswerth ist es, dass M., angeregt durch die betreffenden Haphtaroth, auch Stoffe aus den Propheten behandelt hat, vgl. 7, 14, 35. Ich weise auch auf die originelle Deutung in Nr. 8 (״Was erzählt uns die Salzsäule?“) hin und auf die Ehrenrettung Knaus in Nr. 18, den man, bis in die neuere Zeit hinein, gewohnt ist, als einen ausgemachten liösewlcht dargestellt zu sehen. Bedauerlich erscheint mir, dass M., noch über die in seiner Homiletik S. 45 ff. vorgetragenen Grundsätze hiuausgeheud, auf die Verwendung des Midrasch und der Haggada fast vollkommen verzichteUund sich 80 eines erfahrungsgemäss ausserordentlieh geeigneten Mittels, seine Zuhörer zu fesseln, beraubt hat.' Die Sprache ist schlicht und rein, da und dort wäre allerdings eine gewagte Neubildung zu beanstanden: S. 18 ״Schicksalvolle (?) Mühewaltung“, S. 21 ״ Patriarchen frau“, S. 58 ״Mir ist mein Leben überdrüssig“, S. 134 ״sich ertüchtigen“. S. 25 findet sich der oft gemachte und gerügte Fehler gerade jüdischer Kanzelredner: ״er ging als ein Lauterer und Gerechter hervor“ statt einfach zu sagen: ״lauter und gerecht״. S. 292: ״Dieweil er seine Süsse geschmeckt hat“ und S. 295 die Aufforderung: ״Lasst uns beten“ muss M einem Pastor abgelauscht haben. In jüdischen Reden sind solche Ausdrücke wohl nicht gebräuchlich, und mögen es auch nicht werden. — Druck und Ausatattung des Buches sind vorzüglich. Wir erwarten mit Interesse die j Veröffentlichung der weiteren Heden. Breslau. Dr. Pinkuss. -

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