Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 9 (Juni 1896)
- Article
- Ein Brief von Franz Delitzsch [Nachricht] / Güdemann, Moritz
- Date
- 1896-06-01
- Page
- Seite 430 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
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430 Notiz. Ein Brief von Franz Delitzsch* veröffentlicht von Dr. G-(ideman 11. Yor einiger Zeit kam mir ein Widmungsexemplar von Franz Delitzsch’s ״Zur G־escl1ichte der jüdischen Poesie“ (Leipzig 1836) zu Händen, in welchem sich auf der Rückseite des vorderen Einbanddeckels nachstehender eigenhändiger Brief des Verfassers befindet. Wie sich aus dem Hinweise auf die Schrift גזע ישי ■ergiebt, waren Brief und Buch an Letteris in Wien gerichtet, der ein Exemplar seiner genannten Schrift Delitzsch zum Geschenk gemacht hatte. Worauf sich die הערות קטנות beziehen, vreiss ich nicht. Interessant ist das bei Delitzsch nur zu sehr gerechtfertigte (vgl. J. H. Weiss וכרונותי S. 24, Anm.) Bekenntniss über den hebräischen Stil des Nicht-Israeliten. Ob der Brief nicht schon irgendwo abgedruckt ist, weiss ich nicht. Er lautet wie folgt. Leipzig d. 10. October 36. Vereintester Herr! Ihr werthes Briefchen, welches ich vorgestern erhielt, hat mir ungemein vieL Freude gemacht. Die hebräische Sprache ist ja mir Nektar und Ambrosia. Ich würde Ihnen auch in dieser Sprache antworten, wenn ich nicht wüsste, dass der hebräische Styl einen feinen Takt, ein gewisses סגנו!״“ erfordert, welches der Nicht-Israelit kaum sich aneignen kann. Was soll ich aber sagen von dem werthen Geschenke, dem mit künstlerischem Griffel geschriebenen גזע ישי? Für üebersetzungen int eressire ich mich besonders, denn sie beweisen, wenn sie von Meistern der hebräischen Sprache abgefasst sind, dass die heilige Sprache der heiligen Schrift mit ihren paar Tausend Wörtern endlich und doch unendlich, beschränkt und doch unbeschränkt ist, denn der Hauch des Allmächtigen hat dem Thongebilde eine lebendige Seele, einen Senkling seiner Schöpferkraft mitgetheilt. Ich danke Ihnen herzlich für Ihr Ehrengeschenk; es soll mir ein Unterpfand Ihrer Liebe sein, wie es ein Spiegel Ihrer Meisterschaft ist. Die 1הערות קטנות) werden mir von grossem Werthe sein; ich wünsche, dass sie recht gross und recht zahlreich sein mögen. Für den Catalog Ihrer Schriften danke ich herzlich. Allein auf solchem Wege werde ich in den Stand gesetzt, die moderne jüdische Literatur, die man auf Kosten der alten zu geringschätzt2), genau kennen zu lernen. Wenn mein Plan, eine Anthologie der hebräischen Poesie, aus lauter Anecdotis bestehend, herauszugeben, noch zu Stande kommt, werde ich Sie um einige schöne Beiträge ersuchen. Mit Ehrerbietung und dankbarer Liebe Ew. Wohlgeboren ergebenster Fr. Delitzsch Dr. wohnh. Leipzig Nr. 24. 1) In Cuisivscluiffc. 2) Offenbar ein Lapsus. D. wollte sagen, dass die alte Litteratur liochgeselmtzt wird auf Kosten der modernen.