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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1896-02-01 · Heft 5 (Februar 1896) · p. Seite 230

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
40 (1895-1896)
Issue
Heft 5 (Februar 1896)
Article
[Nachricht] / Güdemann, Moritz
Date
1896-02-01
Page
Seite 230 (sequence 2)
Language
German
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230 Notiz. streich), sonst würden sie, wenn sie gemeint hätten, dass die Babylonier über den Führer des Bockes und nicht über den letzteren hergefallen wären, sich deutlicher ausgedrückt haben״ Es wäre doch auch seltsam, wenn die Babylonier immer (der Unfug muss sich doch wiederholt zugetragen haben, bis man eine Schutzvorrichtung dagegen schuf, vgl. Rasch i שדיו ר גי ל ״ן ל ת ולשו) den Führer gerade an den Haaren gezaust hätten! Man würde begreifen, wenn erzählt würde, dass sie ihn, um ihn zur Eile anzuspornen, gedrängt, geschoben, gestossen hätten, aber das Zausen der Haare ist doch nicht das Mittel, einen Menschen zur Eile anzutreiben. Und dann: wurde denn immer ein Lockenkopf zum איש עתי bestimmt? Kann er nicht auch kurz geschoren gewesen sein? Wenn er klug war und gewitzigt durch die Erfahrung, dass die Babylonier den Führer gerade beim Schopf zu packen pflegten, dann liess er sich ä la Fiesco oder ä la Schafskopf frisiren, und die ungezogenen Peiniger hätten ihm am Kopf herumkrabbeln können, ohne auch nur ein Härchen zu erwischen. Unter שער beim Menschen ist nämlich in der Regel Kopfhaar zu verstehn. Die Situation spricht also dafür, dass der Bock gezaust wurde. Diesem, dem eigentlichen Sündeuträger, wurde zugerufen: ״Nimm (unsere Sünden) und geh!“ Dem Führer so znznrufen, wäre deplacirt gewesen, denn nicht er, sondern der Bock nahm die Sünden mit. Sollte man aber als Object des טול den Bock hinstellen, so ist auch dies unrichtig, denn der Führer nahm den Bock nicht, sondern führte ihn, מוליך, wie kurz vorher in der Mischna vier Mal gesagt ist. Weiter spricht auch die Bemerkung der G-emara z. St. für unsere Auffassung 'תנא מד שדי צפיורא די! ודד. Man hat also den Bock apostrophirt und gezaust. Dass mau aber den Zuruf an ein Thier gerichtet, darf nicht auffallen, hat man doch auch an den Altar verschiedentliche Zurufe gerichtet. Endlich mag noch die betreffende Stelle aus dem Barnabasbriefe angeführt sein (c. VII. p. 18 ed. Hilgenfeld): ״vtal spruogcxts kuv~£<; xal xara%svTY|0aTe xcd mpid'sxs zb spiov zb y.oxxcvov 7cspl zrp >tE(paX7]v ubzob %. t. X.“ Dass der Bock angespuckt wurde, mag übertrieben sein, aber dass er gestossen oder gestochen wurde, ist eine mit der Angabe wohl zu vereinbarende Behauptung. Jedenfalls weiss der Barnabashrief nur von dem an dem Bock verübten Muthwillen, und in diesem Punkte darf man ihm Glauben schenken. Wien, 19. December 1895. Dr. Güdemann. Nachträglich finde ich in dem Commentar מלא כף נחת folgende Erklärung: מעלד גבוה עשו ודרך שם יצא עם דמשתלח חרן לעזרד עד דדן לעיר שלא יגעו בו הבבליים. Es ist augenscheinlich, dass diese fast ganz der Worte Rasch i’s sich bedienende Erklärung letztere in dem oben angebenen Sinne auffasst, und dass sie durch Hinzufügung der Worte עם המשתלח den Sündenboek, und nicht den Führer als Object des Angriffs (שלא יגעו בו) hinstellt. Im Anschluss an die obige Notiz geben wir hier folgende von Herrn Epstein zu seiner Besprechung der Büch ler’sehen Schrift eingesandte Berichtigungen: S. 142 Zeile 18 ist eine Anmerkung des Inhalts ausgeblieben, dass in Joma 39a statt Chanina b. Gamliel, Chanina Segan ha-Cohanim steht. S. 148 Zeile 25 statt Muku lies Maukuf. S. 144 Zeile 19 statt was lies war.

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