Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Daten zur Einwamderung ungarischer und polnischer Juden nach Schlesien
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 560 (sequence 2)
- Language
- German
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560 Einwanderung ungarischer und polnischer Juden. ungarischen Geschichte. Hier in Ungarn herrschte Ferdinand I, ein Enkel jenes Fürstenpaares, das in Spanien durch die grausamen Judenverfolgungen sich für alle Zeiten einen herostratischen Ruhm erworben hat. In Polen aber regierte damals eine Eichte desselben Fürstenpaares, des katholischen Ferdinand und seiner Gemahlin Isabeila, die Königin Bona,, zweite Gemahlin des polnischen Königs Sigismund■1). Unter Ferdinand I. ־wurden die Juden aus Ungarn verjagt. In Polen hatten sie ebenfalls viel zu leiden. In Posen wollte man sie aus der Stadt ausweisen, in Krakau nicht minder. Im Jahre 1532—34 wurde die Judenfrage im Reichstag per iongum et latum verhandelt, und Yiele sprachen sich für.die vollständige Ausweisung aus2). Die Juden fühlten sich gewiss unbehaglich in Polen. Viele mochten freiwillig den Wanderstab ergriffen haben. In Ungarn drückte man ihnen diesen Stab mit Gewalt in die Hand. Hach der Ausweisung unter König Ludwig gewährte ihnen Oesterreich und Böhmen Aufnahme, nach der Ausweisung unter Ferdinand I. zerstreuten sie sich nach allen Ecken und Enden der Welt. Wie die Urkunde3), die ich hier zum Abdrucke bringe,, zeigt, flüchteten sich Viele nach Schlesien, besonders nach den Herzogthümern Oppeln und Ratibor. Ihre Zahl muss so gross und ihre Concurrenz auf dem Gebiete des Handels muss den Einwohnern so lästig gewesen sein, dass sich der Bischof von Breslau, Jacob von Salza, veranlasst fühlte, am 10. October (feria secunda post sancti Dionysii) des Jahres 1535 ans Neisse ein Schreiben an seinen Collegen Johann, Bischof von Wien und Coadjutor von Wiener Neustadt, zu richten, worin er ihn ersuchte, er möge seinen Herrn, wohl den König, überreden, dass er sie von diesen ,,schädlichen räuberischen, wucherischen“ Juden befreie, weil diese ״überaus stinkende Nation“ allzuschwer auf den Städten der Herzog״ thümer Oppeln und Ratibor laste. Die Urkunde hat folgenden Woitlaut: Paratam complacendi voluntatem, cum amica nostri commendatione, Reverendissime in Christo pater, Domine et amica observande, Magna Instantia proponi nobis fecerunt in- 0 S Gr ätz: Geschichte B. 9. S, 60. 2) Grätz: a. a. 0. 431, S. 1. 3) Original im Stadtarchiv zu Oedenburg Lad. XLVIII et J. L Fase. I, Nr. 43.