Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 39 (1894-1895)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die Privilegien der jüdischen Gemeinde in Kremsier
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
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258 Die Privilegien der jüdischen Gemeinde in Kremsier. imd der Torstadt Tarnen, ,,weil die Bürger durch das den Juden ertheilte Meilen- und Schankrecht, Bier- und Branntweinbrennerei, zum allzumerklichen Eintrag in ausserste Arnmth gerathen, in Schulden verfallen“, um väterliche Abhilfe bittet, ihren Untergang zu verhüten, der ״bei diesen je längeren, je schwächeren Zeiten zu besorgen wäre und ihnen allein den vollkommenen Ausschank mit Ausschliessung der Judenstadt zu gestatten.“ Diese Zwischenzeit war die kritischste und peinlichste im Leben der Gemeinde: Carl III., Herzog von L״ lebte zumeist auswärts und überliess die Tertretung seinem Administrator, welcher den privilegiumslosen Zustand der Juden zu allerlei Erpressungen missbrauchte. Die Juden wagten nicht einmal, die Misshelligkeiten und Gefahren, denen sie ausgesetzt waren, in ihren Beschwerden und Klagen beim rechten Tarnen zu nennen. Tur das Grundbuch (S. 250) giebt uns Kunde von der Aufregung und Seelenangst, die sich ihrer bemächtigt hatte. Es berichtet nämlich: Dienstag (am 23. Schebat 468 =) 15. Februar 1708 wurde in der, im Beisein des Rabbiners Salomon Jomtow abgehaitenen Gemeindeversammlung einstimmig beschlossen, Alles aufzubieten es koste, was es wolle, um die Bestätigung der Privilegien zu erlangen, und die Aufnahme eines Darlehns von 700 fl. zu diesem Zwecke bewilligt. Später wurden noch 700 fl. hinzugefügt, und die Gesammtkosten beliefen sich auf 1904 fl. Doch erst am 10. März 1708 wurde das Privilegium ausgefertigt. Es ist gleichsam zur Belohnung für das lange Warten das umfangreichste und ausführlichste־, es umfasst folgende 29 Paragraphen, welche sich weitläufig über Alles und Jedes ergehen: Mit der flehentlichsten Bitt: Diesze Privilegien möchten Ton Uns nicht allein gnädigst confirmirt, Sondern noch auch nach denen Tmständen der Jetzigen Zeit in etwas erläuttert und Termehret werden: Wann Wir dann gnädigst erwogen, wie dasz die Judenschafft durch ihre Kaufmannschafftsführauch Wechselmachung In Tnd aus Leiptzig und Bresslau. vnszerer bischöflichen EesiclenzstadtOrembsier einen merklichen nutzen schaßen, dasz sie auch die gemeinsambe onera Jährlich Beytragen, in dems Selbte Zu denen Kayserlichen gaberrevne(?} In die Land-Cassa allemahl Ihr gebührendes Contingent, dann in die Herrschaftliche Contributions Reyttung Termög der Läanen(?), all Jährlich ihre Rata vnd auff zwey Crembsierer Stadt- Guards Mussquetier Jährlich 72 fl 48 kr Behörig Entrichten, vnd dass mehr gedachte Judenschafft darbey vns Jährlich in