Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 11
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 528 (sequence 2)
- Language
- German
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528 Besprechungen. den Jahresberichten der Lehranstalten für die jüdische Wissenschaft in Eamsgate und Berlin, deren Lehrkörper die Verfasser angehören, erschienen sind. Gast er zeigt uns Zuuz von einer ganz neuen Seite, als einen sorgsamen Sammler der so leicht in alle Winde verwehten Gelegenheitslitteratur. Die grosse culturgesehichtliche Wichtigkeit derartiger Sammlungen hat uns Zunz selber würdigen gelehrt in seiner Abhandlung: ״Sammlungen und Verzeichnisse“ (zur Gesell, u. Lit., S. 230—248). Seine eigene Sammlung, die er (Maybäum, S. 8, Änm. 2) im Eebr. 1820 anzulegen begonnen hat, umfasst auf diesem Gebiete nicht weniger als 88 Sammelbände (8 in Folio, 5 in Quart- und 80 in Octav-Format) und zusammen etwa 1800—2000 einzelne Stücke. Da dieser Schatz, mitsammt der ganzen werthvollen Zunz’schen Bibliothek nach England wanderte, ist es um so erfreulicher, dass der Hüter desselben sich der mühseligen Aufgabe unterzogen hat, ein bibliographisch genaues, alphabetisch geordnetes Verzeichniss dieser Eeichthümer, die Zunz einfach in der chronologischen Keihenfolge, in der er sie erworben hatte, aneinander gereiht hat, in die Welt gehen zu lassen. Wie lernen aus der umfangreichen Sammlung von Prospecten, Anzeigen, Inseraten und Besprechungen die Aufmerksamkeit und Gewissenhaftigkeit bewundern, mit welcher Zunz die litterarische Bewegung auf dem Büchermarkt verfolgt hat. Durch die peinliche Sorgfalt, mit der er Inaugural-Dissertationen,Hochzeitsgediehte,Nekrologeu. dgl. zusammengetragen hat, erhalten wir einen interessantenEinblick in die intimsten Beziehungen des Meisters zu seinen Verwandten, Freunden und Verehrern. Nicht wenige dieser Stücke mögen die einzigen für die Nachwelt geretteten Exemplare dieser litterarischen Einlags-Erscheinungen sein. Ein gleiches lebhaftes Interesse erwecken die Mittheilungen über Zunzens äusseren Lebensgang von seiner Ankunft in Berlin (Donnerstag 12. October 1815) bis zur Anstellung als Direetor des dortigen Lehrer-Seminars (18. October 1839), zu dessen Darstellung Maybaum ganz neues Material, das bisher theils unbekannt, theils unbenutzt gewesen ist, aufzuspüren und herbeizuschaffen verstanden hat. Er hat zu diesem Zwecke zum ersten Mal ,,Das Buch Zunz, künftigen ehrliehen Leuten gewidmet,“ ein von Zun zens eigener Hand herrührendes Tagebuch benutzt. Eine weitere Quelle bildeten die ,,Auszüge und mitunter wortgetreuen Abschriften“ seiner eigenen Briefe, die Zunz vom 25. October 1832 in kleine Octav-Hefte eingetragen hat. Endlich hat er umfangreiches Actenmaterial aus den Archiven der Gemeinde zu Darmstadt und der Tempel-Gemeinde zu Hamburg zugänglich gemacht•. Durch den Umstand, dass Maybaum die Urkunden selber in ausgiebigster Weise zu Worte kommen lässt, erhalten wir ein fesselndes und lebendiges Bild der gesamraten Vorgänge bei den Bewerbungen Zunzens um Aemter in Hamburg, Königsberg, Darmstadt, Prag und Berlin, deren eimeine Stadien wir mit zu erleben scheinen. So nahe die Verlockung wäre, auf etliche Einzelheiten der in mannigfacher Hinsicht höchst interessanten Materialien, welche Gast er und Maybaum bearbeitet haben, näher einzugehen, so wenig dürfen wir ihr für dieses Mal folgen, weil wir nicht in der Lage sind, den Umfang dieses einzig der Eeier des hundertsten Geburtstages des Meisters gewidmeten Heftes noch weiter auszudehnen. M. Brann. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt.