Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Eine unbekannte jüdische Münze
- Date
- 1894-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 2)
- Language
- German
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240 Eine unbekannte jüdische Medaille. von der rechten Seite gesehene Brustbild eines Mannes mit gestutztem Yollbart und kurzem, gekräuseltem Haar, in zugegeknöpftem Wams. Die Umschrift lautet: ELIA. DELATAS. EBR/EO. MD52. Die Kehrseite zeigt das ebenfalls von der rechten Seite gesehene Brustbild einer Frau, deren gelocktes Haar am Hinterhaupt von einem Hetz bedeckt ist. Bekleidet mit einem ausgeschnittenen Mieder, werden Hacken und Brust von einem Busentuch verhüllt. Die Umschrift lautet: RICA. SYA/GIEHETRICE. Das Stück war, so viel mir bekannt ist, in der numismatischen Litteratur bisher nur von Armand (II. p. 231 Ho. 10) und zwar auch nach dem ehemals Spitzer’schen Exemplar beschrieben, wie denn auch ausser diesem Exernplare .vorläufig nur noch ein zweites im Berliner Königlichen Münzcabinet befindliches bekannt ist; woraus es sich wohl auch erklärt, dass es in der jüdischen Litteratur bisher gänzlieh unbeachtet geblieben ist. So unbekannt wie die Medaille in der jüdischen Litteratur bisher geblieben, so unbekannt sind leider auch die darauf dargestellten Persönlichkeiten. Weder Zunz, Zur Geschichte und Litteratur, S. 478 ff., noch Fürst im Orient, 1847, LB., c. 817, noch Zunz und Stein- Schneider in Kobaks Jeschurun, YI, kennen sie. Aus der Medaille selbst lassen sich Aufschlüsse über die darauf Dargestellten auch kaum erwarten. Im Cegentheil bietet sie uns noch ein neues Räthsel dar; denn die Darstellungen lassen den Sohn eher älter als die Mutter, oder zum wenigsten gleichalterig mit derselben erscheinen, keinesfalls aber entsprechend jünger. Hat nun der Künstler der Mutter nur so stark geschmeichelt, oder ist die Letztere jung verstorben und ihr Bild auf der zu ihrem ehrenden Gedächtniss gefertigten Medaille daher später nach einem anderen, früher vorhanden gewesenen Portrait copirt? — Wie dem auch sei, soviel lässt sich aber mit vieler Sicherheit schon aus der blossen Existenz einer solchen Medaille an und für sich schliessen, dass dieser Elia, ebenso wie so viele andere Glieder der Familie Lates, seinerzeit irgend eine hervorragende Stellung eingenommen haben muss, und so dienen diese Zeilen vielleicht doch dazu, das Dunkel, das über diese Persönlichkeiten bisher ausgebreitet ist, noch aufzuhellen. Dresden. Unberechtigter Nachdruk aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt.