Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 38 (1893-1894)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola in Ferrara
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
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128 Die jüdischen Schüler des Antonius Musa Brasavola. hervorzuheben, dass sein Name Schüler aus ganz Europa nach Eerrara gezogen habe. Die Nachricht aber, dass auch jüdische, der Medicin beflissene Studirende aus Padua zu ihm herüberkamen, um den Unterricht des gefeierten Meisters zu gemessen, ob auch der Lorbeer des medicinischeu Doctorates in Ferrara für sie ,nicht zu pflücken war, würden wir bei ihm vergeblich suchen. Und doch ist an der Thatsache nicht zu zweifeln, denn wie sonst, wenn nicht mündliche dankbare Ueberlieferung den grossen italienischen Arzt als Lehrer ge״ priesen hätte, wäre im Ghetto von Posen sein Name zu vernehmen gewesen! Zeigt doch die fast volksetymologisch zu nennende Schreibung des Wortes bei de Lima, der eine Art von Sohn Savolas daraus gemacht zu haben scheint, wie die Araber einen Sohn des Dakies in Empedokles erblickten, dass nur mtuid״ liehe, nicht literarische Quellen den Namen seinem Ohre ver״ mittelt haben. Aber auch der Inhalt dieser Eintragung zeigt, dass durch die räumliche und zeitliche Entfernung die Klarheit der Ueber״ lieferung sich bei dem Schreiber getrübt und deren Sicherheit bedenklich gelitten hatte. East achtzig Jahre, nachdem der Leibarzt und Freund Herzog Hercules II. von Ferrara und seiner Gattin Renee1), eine der grössten Leuchten der medicinisehen Wissenschaft in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der Verfasser• des grossen Index zuni Galenus, Antonius Musa Brasavola, am 7. Juli 1555 im 55. Lebensjahre gestorben war, ging der jüdische Arzt in Posen daran, durch die Niederschrift festzuhalten, was ihm sein Vater über seine jüdischen Mitschtiler bei dem grossen Meister von Ferrara überliefert hatte. Er wird ihm sicherlich von Abraham Portaleone erzählt haben, der mit ihm die Vorlesungen Brasavolas besucht haben mochte. Dass dieser aber der Verfasser des Schilte lia-Gibborim gewesen sei, das war sicher nur Juda de Limas eigene Vermuthung, der in der Freude, durch das ihm nicht etwa von seinem Vater überkommene, sondern von Isak ר״ק erworbene Buch an den trauten Namen aus der Studienzeit des Vaters erinnert zu werden, die voreilige Identification in das Buch eintrug. 1) Brasavola hat Hercules bereits zu seiner Hochzeit mit!Renee, der Tochter Louis XII. von Frankreich 1528 nach Paris begleitet. S. Castellani p. 27 f. Dem Herzogspaare hat Brasavola sein Examen omnium simplicium medicamentorum, quorum in oflicinis usus est gewidmet.