Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Über den Lebensgang des Generalprivilegirten und Obervorstehers der Breslauer Judenschaft Simon Hirsch [Nachricht] / Brann, Marcus
- Date
- 1893-01-01
- Page
- Seite 580 (sequence 1)
- Language
- German
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580 Noiizen. lieber den Lebensgang des Generalprivilegirten und Obervorsteiler» der Breslauer Juden Schaft Simon Hirsch, dessen Verdienste um die beginnende Emaneipation der Juden in Schlesien Freud enthal. (oben S. 98) gebührend gewürdigt hat, finden sich, einige interessante Einzelheiten in Johann Jacobys ״Heinrich Simon. Ein Gedenkbuch für das deutsche Volk.‘4 (2 Theile. Berlin, Julius Springer, 1865, 8.) Nach einer daselbst mitgetheilten (I, 11) Aufzeichnung seines Sohnes Hermann (geb. 2. Sept. 1781, gest. im Mai 1851) war Simon Hirsch ein geborener Breslauer und erblickte das Licht der Welt im ,,blauen Hause“ vor dem Oderthor im Jahre 1730. Seine Eltern waren arme Leute. Er erlernte von 1748 an in Amsterdam die Handlung und gelangte durch seine in weiten Kreisen bewunderte kaufmännische Begabung (S. 7) zu grossem Yermögen. Seine Bildung, seine Herzensgüte und Freigebigkeit und seine vornehme Gesinnung verschafften ihm Einfluss und Ansehen. Selbst Graf Hoyrn schätzte ihn und lud ihn eines Tagtes zur Tafel ein (S. 19). Hofmeister seiner ältesten Söhne, des erwähnten Hermann und seines älteren Bruders Heinrich (geb. 1780, gest. im October 1857) (S. 23), war [Josel] Pick [Rochnowe] (vgl. oben S. 95), an dein die Kinder trotz seiner Strenge mit der innigsten Liebe hingen (I, 8). Beide Knaben gehörten zu der Kinderschaar, mit der Joel Löwe vor seiner Anstellung als Director der Wilhelmsschule in Gegenwart einiger Sachverständiger eine Probelection vornehmen musste (Ygl. oben S. 333 und bei Jaeoby I, 16), und erhielten znm Andenken an diese Leistung jeder eine silberne Medaille. Im Jahre 1792, am Vormittag des 30. März, wurde der Yater plötzlich von einem Schlaganfall hinge* rafft. Nach seinem und dev Mutter Tode wandten die Kinder, die den Vornamen des Vaters als Familiennamen behielten, dem Judenthum den Rücken. Die beiden jüngeren Söhne starben in den Freiheitskriegen den Heldentod für das Vaterland. Ludwig focht als Premierlieutenant bei Leipzig, erhielt für seine Tapferkeit das eiserne Kreuz, wurde bei Chäteau-Thierry schwer verwundet und erlag am 10. März 1814 in Montmirail seinen Wunden. Otto fiel als preussischer Garde-Kosack, nachdem er bereits zum eisernen Kreuz vorgeschlagen worden war, bei Gross-Görschen. Ihre Namen nennt das Denkmal, welches Schlesien den gefallenen Helden in der Elisabethkirche zu Breslau errichtet hat. (S. 3.) Von den anderen Beiden studirte Heinrich die Rechte in Halle und wurde 1819 Vortragender Rath im Justizministerium. Er starb im Alter von 77 Jahren, nachdem er dem Staate vierundfünfzig Jahre lang treu gedient hatte. Hermann übernahm das Geschäft des Vaters (S. 23). Er war der Vater des Abgeordneten Heinrich Simon, (geb. 29. Oct. 1805, gest. 16. August 1860), der als Führer der Linken in der Paalskirche zu Frankfurt am Main und im Rumpfparlament zu Stuttgart eine hervorragende Rolle gespielt hat. M. Brann. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt►