Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Heinrich Heine's intimes Verhältniß zum Judenthume
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 188 (sequence 1)
- Language
- German
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188 Notiz. Aotiz Heinrich Heine' s intimes Berhältniß zum I u d e n t h u m e. Der geistvolle Franzose G. Valbert, welcher die Nervenverschlingung der deutschen Literatur mit derselben Sicherheit verfolgt, wie die seiner Nation, hat ein sehr treffendes Urtheil über das Jüdische und Deutsche in Heine's Wesen formulirt gegenüber den neuesten Biographen, welche ihn zum posthumen Deulschthümler metamorphisiren möchten *). ״Unsere Nachbaren müssen für imnrer sich dafür entscheiden Heinrich Heine war ein deutscher Dichter, der nur in Frankreich gedeihen konnte. Er wird immer in ihrer Literatur eine gesonderte Stellung einnehmen. Sein Ruhm wird darin nur wie eine exotische Pflanze blühen, und sie werden nur dann das Recht haben, ihn als ihr Gut zu beanspruchen, wenn sie sich entschließen werden, ihre Juden als Deutsche anzusehen. Nach Charakter und Geist war Heine bis in sein tiefstes Mark Jude. Er hat zwar den Glauben seiner Väter abgeschworen, aber er hat seine Abstammung nicht verleugnen können. Man erkennt in der unendlichen Substanz des ungläubigen Spinoza noch etwas vom Gotte Israels, von dem Herrn der Heerschaaren, in welchem die Creaturen wie Rauch vor dem Winde verwehu, und wie Wachs im Feuer zerfließen. Eben so wenig wie Spinoza, hat Heine das Zeichen verloren, mit dem er auf die Welt gekommen ist. Er war in Deutschland geboren, aber er war nicht ein geborener Deutscher. Man findet in seiner >) Revue des dam Mondes 1886 p. 694.