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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1886-01-01 · Heft 2 · p. Seite 58

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
35 (1886)
Issue
Heft 2
Article
Gedenkrede auf Moses Mendelssohn bei der Feier seines 100jährigen Todestages am 4. Januar 1886 in der Neuen Synagoge zu Berlin gehalten
Date
1886-01-01
Page
Seite 58 (sequence 10)
Language
German
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58 Gedenkrede aus MoseS Mendelssohn. Tausende in Deutschland und seinen Grenzländern ihm nach dieser doppelten Richtung hin nachzueifecn. Mendelssohn selbst fühlte sich nicht zur Führerschaft berufen. Desto mehr aber erblickt und verehrt die deutsche Judenheit in ihm ihren Führer. Nichi, daß wir heute, wo drei Lebensalter uns von ihm trennen, in. jedem seiner Worte die Wahrheit suchten, Auch אנשי מופת, auch Männer drr Vorbildlichkeit, wie sehr sie dem Ewigen und Gesammten zustreben, bleiben mit ihrem Denken und Fühlen Kinder ihrer Zeit. So sind selbst die Grundlagen unserer heutigen Wissenschaft von denen unseres Gefeierten recht verschieden. Was wir aber in allen seinen Werken und Briefen suchen und finden» das ist die Wahrhaftigkeit. Noch mehr aber, als wie durch seine Werke, wird Mendels» sohn unser Führer durch sein Wesen, indem er uns lehrt, an uns und unserer Vervollkommnung zu arbeiten, ohne jede Rücksicht auf äußere Anerkennung. Er lehrt uns, uns suchen zu lasien und nickt uns vorzudrängen. Er lehrt uns endlich, treu im väterlichen Glauben wurzelnd, den lichten Höhen lauteren Menschenthums zuzustreben. Ja ihn, den bescheidenen und anspruchslosen Gelehrten, hat der Ewige zum בגיר־, zum Führer seines Volkes entboten. Der Führer der deutschen Judenheit sollte nicht ein ״Nagid“ sein, in dem Verstände, wie ehedem die jüdischen Kronräthe an den Höfen muslimischer Herrscher. Nicht von einem Manne in hochragender Außenstellung, nicht von Eine»!, den günstige Fügung allein zu hoher Stufe in der Gesellschaft emporgehoben, erwarte die Judenheit in neuer Zeit das Heil ihrer rechten Führung, sondern von einem Manne innerlicher Bedeutung voll tiefer Gedanken und hoher Gesinnung, von Einem, der sich die Anerkennung einer Welt erzwingt durch

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