Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 35 (1886)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gedenkrede auf Moses Mendelssohn bei der Feier seines 100jährigen Todestages am 4. Januar 1886 in der Neuen Synagoge zu Berlin gehalten
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
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50 Gedenkrede auf Moses Mendelssohn. lebte, der das stolze Königswort des Psalters führen durfte: ״ אעירה שחרIch erwecke eine Morgenröthe" tp 57,9; 109,3, das empfand er selbst als eine besondere Gunst des Geschickes, darin aber erkennen wir einen Tiefblick der erhabenen Vorsehung, welche die rechten Männer zur rechten Zeit an die rechte Stelle setzt. Denn aus dem Geiste seines Zeitalters schöpfte Mendelssohnseine Kraft, die er hinwiederum aus Eigenem vermehrt und veredelt darein zurückströmen ließ. Wohl, das Geschick war dem von uns gefeierten Lehrer freundlich; denn inmitten einer anderen Umgebung, ohne den innigsten Herzens- und Seelenbund mit dem edlen Anwalt aller Unterdrückten, dem Vorkämpfer und Propheten der reinen Menschenliebe, mit Gott hold Ephraim Lessing, הבן יקיר לי אוזרים ירמיה ל״א ,י״ט)), der auch uns so werth und theuer, daß wir, so wir von Moses sprechen, auch sein in Liebe gedenken müssen, daß wir bei der Gedenkfeier des Einen der שני בני היצהר העמרים על אדון כל הארץ, der beiden Söhne der Erleuchtung uns er« innern, die beim Herrn des Alls stehen (Sech. 4,14); ein halbes Jahrhundert früher oder später-— und verschollen wäre, ja niemals vielleicht wäre er zur Geltung gekommen, jener Name, bei dessen Klange heute das Herz jedes dankbaren Deutschen, die Herzen der gesammten Glaubensgemeinde, soweit sie an deutschen Quellen ihren Wissensdurst labet, voll inniger Verehrung erbeben. Aber Mendelssohn verdiente die Gunst seines Geschickes, er rechtfertigte den Tiefblick der Vorsehung, die zu Hohem ihn berufen; denn stetiger und treuer als er, mit heiligerem Eifer hat Nie. mand an sich und seiner Vervollkommnung gearbeitet. So wurde denn aus dem aller außerreligiösen Kenntnisse baren, der reinen deutschen Mundart selbst unkundigen Jünglinge nach der Arbeit weniger Jahre ein Mann, der nach dem einstimmigen Urtheil seiner bewundernden Zeitgenossen dem schwersten Gegenstände die anmuthigste Form, tiefernsten Gedanken