Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 32 (1883)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Politische Bestrebungen einiger Juden der Kurpfalz in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
- Date
- 1883-01-01
- Page
- Seite 383 (sequence 5)
- Language
- German
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in der;weiten Hälfte des 16. Jahrhunderts. 383 Versprechungen er ihnen gemacht habe, und wer sonst noch Mitwisser ihrer Umtriebe sei. Wolle man die Juden mit der Folter verschonen und überhaupt nicht ernstlich gegen sie vorge- Heu, so solle der Gesandte im Namen des Herzogs die größte Strenge verlangen. Sollte sich die Untersuchung in die Länge ziehen, so habe er für ein derartiges Gefängniß Sorge zu tragen, daß ein Entkommen der Gefangenen nicht zu befürchten sei. Unter demselben Datum bittet Herzog Otto Heinrich dem Herzog Wolfgang dem Jüngern, Statthalter der Ober- Pfalz, auf den Juden S ch m u l, der von Böhmen nach Frankfurt zur Messe ziehen und Handel treiben soll, fahnden und ihn verhaften zu lassen. Dasselbe Gesuch wird an denselben am 23. Februar seitens der churfürstlichen Räthe gestellt und seine Person folgendermaßen beschrieben: Er sei kurz und dick, habe einen geschorenen Kopf und gelben Bart, reite gewöhnlich nicht wie ein Jude, sondern wie ein reisiger Knecht in kurzem Mantel nach sächsischer Art, er führe Feuerbüchsen und handle mit Edelsteinen und ähnlichen Dingen. Am folgenden Tage berichtet der Gesandte des Herzogs Otto Heinrich diesem Folgendes: Dem Juden in Godramstein, der eine Warnung erhalten habe, sei es gelungen, mit seiner Familie zu flüchten; Lemlin in Worms wäre eben im Begriff gewesen, sich gleichfalls davon zu machen, als er verhaftet ward. Man schließe hieraus, daß noch mehr Personen um die Sache wüßten. Lemlin und Lazarus hätten Selbstmordversuche gemacht, letzterer sei übrigens, weil er sich wahnsinnig gestellt, aus dem Thurme in eine Stube gelegt worden. Am 25. Februar berichtet der Gesandte, daß er besürchte, die zahlreiche Judenschaft in Alzei mache Versuche, durch Schenkungen Milderung für ihre gefangenen Glaubensgenoffen zu