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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1882-01-01 · Heft 4 · p. Seite 166

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
31 (1882)
Issue
Heft 4
Article
Die Agada der Tannaiten
Date
1882-01-01
Page
Seite 166 (sequence 22)
Language
German
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166 Die Agada der Tannaiten. ein junges jüdisches Weib Gerstenkörner aus dem Miste eines Araberpferdes auflesen, um ihren Hunger zu stillen. Da sagt Jochanan zu seinen ihn begleitenden Schülern: Ich habe mein Leben lang mich angestrengt, um den Satz im Hohenlieds (1,8) ״Wenn du keine Einsicht hast, o schönste der Frauen u. s. m." zu verstehen, doch erst jetzt erkenne ich seine Bedeu» tung: ״Ihr wolltet euch Gott nicht unterwerfen, so seid ihr nun den Völkern unterworfen, ihr wolltet nicht für Gott ein halbes Schekel für den Kopf bezahlen, nun zahlet ihr 15 Schekel der Regierung euerer Feinde, ihr wolltet nicht die Wege und Straßen für die Festwallfahrer ausbessern, so müßt ihr die Wegehäuschen und Schlösser ausbessern für euere zu ihren Lustgärten ziehenden Bedrücker, und es erfüllt sich an euch die Vorhersagung (Deuteron. 28,47 f.) : Dafür daß du nicht dem Ewigen, deinem Gotte dientest mit Freude und guten Muthes im Ueberfluße, mußt du deinen Feinden dienen in Hunger und Durst und Mangel an Allem!" In dem auf die tiefste Stufe des Elends gesunkenen Weibe sieht Jochanan ein Bild seines elenden Volkes י) und in seinen Worten lesen wir den ersten Schmerzensschrei aus der viele Jahrhunderte langen Unterdrückungszeit, welche mit der Zerstörung Jerusalems für Israel angebrochen war a). ') Wer denkt hierbei nicht an die Denkmünzen, welche die Römer nach der Besiegung Jndäa's schlagen ließen und welche dieses als ״zerknirschtes Weib in verzweifelter Stellung unter einem Palmbaum vor einem aufrechtstehenden Krieger" darstellen (Graetz III, 450). *) Mechilta zu Exvd. 19,1 (61 a b). Diese Version trägt die meisten Merkmal« der Ursprünglichkeit an sich; die in Sifrs zu Deut. § 305, der auch die Barajtha in b. Kethub. 66b (zu dieser vgl. Chaluz III, 14) nahe steht, sowie die Erzählung in Aboth di R. Nathan c. 17, hat die Begegnung Jochanan b. Lakkai's mit einer anderen verknüpft, in welcher die in ihrem Reichthum übermüthige Tochter des berühmten N a k d i m o n b. Gorion nach der Katastrophe von Elearar b. 2adok in A k k o getroffen wird, der auf sie ebenfalls Hoh. 1, 8 anwendet, Tvsefta Kethub. v. 5 Ende, j. Kethub-a. 5 E., b. Kethub. 67 b.

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