Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 27 (1878)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Arles
- Date
- 1878-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 2)
- Language
- German
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die französische Nation gebildet hat. Hier in der ״Wiege des Christenthums in Gallien", wie man Arles bezeichnete, beteten sie den einzigen Gott an, als man noch auf den ״elyseischen Feldern" daselbst Jupiter blutige Opfer gebracht hat. Das Heidenthnm war hier gegen sie duldsam, das Evangelium dagegen, dessen Apostel von hier nach allen Richtungen Galliens auszogen, um die Liebe zu predigen, brachte ihnen nur Haß. Schwer lastete auf den Juden von Arles die bischöfliche Macht, aber eben so schwer auf der Stadt, in der sie, als das Primat der Kirche in Gallien, in völlig souveräner Weise gewaltet hat. Die Juden sahen hier die römische Herrschaft in ihrem Glanze wie in ihrer Ohnmacht; aber der Untergang der bei den Juden allenthalben verhaßten und von ihnen verwünschten Weltherrschaft hat ihnen hier kein Heil gebracht. Sie wurden aus römischen Bürgern Schützlinge der Kirche, und Kammerknechte des deutschen Reiches, zu dein Arles eine Zeit lang gehörte. Aber auch die Stadt selbst hatte keinen Grund, sich über den eingetretenen Wechsel zu freuen, denn sie hatte aus der früheren Zeit nur den Schein der municipalen Rechte gerettet, mit denen sie in ausgedehntem Maße ausgestattet war. Als die Stadt mit der französischen Krone vereinigt ward, verschlimmerte sich die Lage der Juden, aber auch die der Stadt hat sich nicht gebessert, denn sie verlor nun auch den Schein jener besonderen Rechte, die sie einst besesien hat, und theilte mit dem übrigen Frankreich denselben Despotismus und dieselbe Willkühr. Es hat nicht an Schmeichlern gefehlt, welche diese Vereinigung priese», thatsächlich datirt von ihr der Verfall der Stadt. So lange Arles in Blüths stand, war die Lage der Juden daselbst günstig, entfalteten sie hier ein reiches geistiges Leben, mit dem Niedergange der Stadt hört auch die Geschichte der Juden daselbst auf. Wir könnten diesen Satz umkehren, und die Wahrheit bliebe dieselbe. Selten begegnen wir einer solchen Wechselwirkung wie hier. Wie nun